Merkels Falken scheitern am Föderalismus. Das Ergebnis ist dennoch deprimierend

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20-01-21 09:42:00,

Im Vorfeld des gestrigen Corona-Gipfels im Kanzleramt wurde bereits breit diskutiert, wie viel härter der nun verlängerte Lockdown werden solle. Die Auswahl der Wissenschaftler, deren Expertise in die Beschlussvorlage einging, ließ bereits das Schlimmste befürchten. So hart kam es dann glücklicherweise nicht. Dennoch sind die heutigen Beschlüsse scharf zu kritisieren. Getreu dem Motto „Wir wissen nicht, ob die Maßnahmen Erfolg hatten, also verlängern und verschärfen wie sie“ manövriert die Politik weiterhin im Blindflug durch den Nebel und verlängerte die Maßnahmen, deren Evidenz nicht belegbar ist, erst mal bis Mitte Februar. Vor allem für die Geschädigten dieser Maßnahmen ist dies eine Hiobsbotschaft. Statt gezielt die Risikogruppen zu schützen und zum Skalpell zu greifen, schwingt man den Vorschlaghammer und nimmt weitere Kollateralschäden billigend in Kauf. Von Jens Berger.

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Vollgas im Blindflug

Auch bei der Vermittlung der heutigen Beschlüsse war wieder viel von Inzidenzwerten, Infektionszahlen und Sterbeziffern die Rede. Das ist insofern erstaunlich, da dadurch der Eindruck erweckt wird, es handele sich zumindest bei diesen Größen um verlässliche Daten. Dass dem nicht so ist, zeigt eine Analyse des IGES-Instituts. Demnach gab es vor allem bei den vom RKI gemeldeten Todesfällen in den letzten Wochen einen massiven Meldeverzug. So „stauten“ sich am 14. Dezember mehr als 7.000 Todesfälle im Meldeverzug, die dann in der Zeit bis zum 8. Januar aufgearbeitet wurden. Ähnlich verhält es sich mit der Zahl der Neuinfektionen. Hier mussten schätzungsweise 60.000 Fälle nachgemeldet werden. Die Politik verhängt einen Lockdown und RKI und Gesundheitsämter sind nicht in der Lage, die Zahlen so zu liefern und aufzubereiten, dass man seriös berechnen kann, welche Auswirkungen der Lockdown auf die Infektions- und Sterbezahlen hat. Und es ist ja nicht so, dass dieses Versagen der Behörden überraschend käme.

Dies setzt sich verschärft in den Detailfragen fort. Noch immer können die Ämter laut IGES nur rund 12% der Infektionen überhaupt aufklären. Man weiß nicht, wo und wie die Menschen sich infizieren und manövriert sich im Blindflug durch Maßnahmen, die Kollateralschäden anrichten. Das kommunizierte Ziel ist es dabei, Kontakte zu reduzieren. Dabei ist Kontakt dann gleich Kontakt. Doch das ist auch aus epidemiolgischer Sicht fahrlässig.

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