Nach dem Krieg war vor den Kriegen – Teil 2

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24-01-21 03:31:00,

Nationale Befreiungskämpfe im Schatten des Kalten Krieges: Den Anfang machten Indonesien und Vietnam.

Im abschließenden siebten, zweigeteilten Teil dieser Serie mit dem Titel „75 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs in Ost- und Südostasien – Vorgeschichte, Verlauf, Vermächtnisse“, dessen erster Teil auf den NachDenkSeiten Mitte Februar 2020 erschien, befasst sich unser Autor Rainer Werning mit den politischen Entwicklungen in den Regionen und dem Beginn des Kalten Krieges nach der offiziellen Unterzeichnung der Kapitulationsurkunde durch hochrangige Politiker Japans am 2. September 1945. Von Rainer Werning.

Lesen Sie bitte auch die ersten sechs Teile dieser NDS-Serie (Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4, Teil 5 und Teil 6).

Allianz unterm Atomschirm

Japans Stärke im militärischen Dreierallianz-System (USA, Japan und Südkorea), das einerseits auf dem 1960 vereinbarten japanisch-amerikanischen Kooperations- und Sicherheitsvertrag und zum anderen auf dem Republik-Korea-US-Vertrag über gegenseitige Verteidigung vom 1. Oktober 1953 basiert, ist seitdem beträchtlich gewachsen. Bereits in seinem 1. Weißbuch für nationale Verteidigung aus dem Jahr 1970 hatte Tokio seine Verteidigungspolitik mit „drei Grundpfeilern“ dargestellt:

  • „Marine und Luftwaffe müssen die Vorherrschaft in der Umgebung“ – ein nicht näher spezifizierter Begriff – „als Lebensnerv Japans sichern“. Blieb anzumerken, dass die einige tausend Meilen entfernte Straße von Malakka (zwischen Singapur/Malaysia und Indonesien) wiederholt als ein solcher „Lebensnerv“ bezeichnet wurde, weil sie u.a. von den aus dem Nahen und Mittleren Osten kommenden Öltankern passiert wird.
  • „Die Aggression soll im Anfang unterbunden werden“. Nicht nur blieb offen, wann sich eine Aggression „im Anfang“ befindet; eine solche Erklärung könnte z.B. mit Blick auf den Vietnamkrieg eigene aggressive Absichten/Akte vertuschen und/oder rechtfertigen.
  • Drittens wurde im Weißbuch als Ergänzung zu Punkt b) vom „Entgegentreten der indirekten Aggression“ gesprochen.

Diese Ausführungen wurden von sämtlichen US-Regierungen seit Richard M. Nixon (1969-74) vorbehaltlos geteilt. Japan wurde abwechselnd als „wichtigster“, „treuester“ und „bedeutsamster“ Verbündeter in der Region gewertet, zu dessen Schutz der US-amerikanische Atomschirm aufgespannt bleibt, sofern sich Tokio im Gegenzug im Sinne eines beidseitigen Interessen- und Lastenausgleichs stärker an der Finanzierung multilateraler Organisationen (Weltbank, Asiatische Entwicklungsbank, UN) beteiligt.

Mit Militärausgaben in Höhe von 30 Milliarden Dollar rangierte Japan bereits 1990 weltweit an dritter Stelle und nahm in Asien die Spitzenposition ein.

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