Die Einen leiden unter der Corona-Krise, die Anderen unter der Rolex-Knappheit

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25-01-21 05:45:00,

In der DDR mussten sich die Käufer eines Trabbis auf Wartezeiten von über zehn Jahren einstellen. So etwas gibt in unserer Marktwirtschaft nicht. Wirklich? Dass dem nicht so ist, zeigt der Markt für Luxusuhren. Wer sich ein bestimmtes Modell der Schweizer Luxusmarke Rolex kaufen will, muss sogar mit Wartezeiten von bis zu zwanzig Jahren rechnen; zumindest dann, wenn er die Uhr auf offiziellem Weg erwerben will. Auf dem Graumarkt werden diese Uhren fast zum Doppelten des Listenpreises gehandelt. Das Angebot kommt schon lange nicht mehr mit der Nachfrage mit. Dies ist eine direkte Folge der neoliberalen Politik und der Spreizung der Vermögens- und Einkommensschere. Während es vielen Menschen von Tag zu Tag schlechter geht, scheinen einige wenige Menschen gar nicht mehr zu wissen, wohin mit dem Geld. Wir hätten da eine Idee. Von Jens Berger.

Schweizer Luxusuhren von Marken wie Rolex, Audemars Piguet oder Patek Philippe gehörten schon immer zu den Insignien einer kleinen, dafür aber finanziell umso potenteren Oberschicht. Über viele Jahrzehnte lang hielt das Angebot dieser Uhren der Nachfrage im weitesten Sinne stand. Wie in einer Marktwirtschaft üblich, regelten die Anbieter die Nachfrage über den Verkaufspreis und federten eine steigende Nachfrage über eine Erweiterung der Produktionskapazitäten ab. Auch für Luxusuhren galt lange die goldene Regel, die auch jeder Käufer eines Neuwagens kennt: Kaum ist die Ware geliefert, gibt es erst einmal einen kräftigen Wertverlust. Wer eine neuwertige Uhr wieder verkaufen wollte, musste teils kräftige Verluste hinnehmen. Im Luxusuhrensegment änderte sich dies Mitte der 2010er-Jahre jedoch grundsätzlich und seit wenigen Jahren gibt es sogar die paradoxe Situation, dass neuwertige Luxusuhren bestimmter Hersteller gebraucht teurer als neue Uhren beim offiziellen Händler sind.

So ist die Stahlsportuhr Rolex GMT-Master II in der Farbvariante blau-schwarz (Spitzname: „Batman“) vom Schweizer Hersteller mit einem Listenpreis von 9.000 Euro notiert. Das „Problem“ – wer diese Uhr über einen Konzessionär, also einen offiziell von Rolex zertifizierten Händler, kaufen will, wird bestenfalls ein müdes Lächeln bekommen. Die wenigen Konzessionäre, die überhaupt noch Neukunden auf eine Warteliste setzen, datieren die Wartezeit auf bis zu 20 Jahre. Bessere Chancen haben gute Stammkunden, die jedes Jahr einen mindestens sechsstelligen Umsatz im Laden lassen oder weniger gute Stammkunden, die sich auf Koppelgeschäfte der besonderen Art einlassen: Wer die beliebte Rolex zum Listenpreis bekommen will, muss sich dazu bereiterklären,

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