Im Blindflug durch den Nebel

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26-01-21 10:16:00,
Autor/in

René Zeyer

René Zeyer (1955)  ist Publizist, Bestsellerautor («Bank, Banker, Bankrott») und Kommunikationsberater. Er lebt in Zürich und Havanna.

Zeyer zur Zeit

Kosten/Nutzen von dramatischen Einschränkungen der Wirtschaft? Ladenschlusszeiten ändern oder ganz zusperren? Was wirkt wie, was kostet wie viel? Öhm.

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René Zeyer
Publiziert am 24. Januar 2021

Würfel Zufall Glück

Die Kosten abschätzen wollen, den Wert eines Lebens in Geld ausdrücken, das ist pfuibäh. Brutalismus von neoliberalen Unmenschen, die für Profit über Leichen gehen.

Diese im Ton höchster moralischer Entrüstung vorgetragene Kritik an jedem, der die Frage wagt, ob die Multimilliardenschäden in der Wirtschaft, eine mögliche Pleitewelle von Tausenden von KMU, von Hotels, Restaurants, Detailhändlern, in einem gesunden Verhältnis zum Nutzen stünden, ist völliger Unsinn.

Oder sonst wäre jede Krankenkasse in der Schweiz von Unmenschen geführt. Denn es gehört nicht nur zu ihren täglichen Aufgaben, sondern ist sogar gesetzlich gefordert, dass sie bei jeder Kostenübernahme vorher abwägen müssen, ob die Verhältnismässigkeit zwischen Kosten und Nutzen gewahrt ist.

Alle diese Dummschwätzer vom unbezahlbaren Wert des Menschenlebens würden genauso aufjaulen, wenn dieses Prinzip tatsächlich angewendet würde – und damit ihre Prämien in die Stratosphäre abhöben.

Gut, aber der Bundesrat wird doch hoffentlich diese Abwägung in seine Entscheidungen einfliessen lassen. Jein. Er wird ja von einer 70-köpfigen Schar von Koryphäen auf allen Gebieten beraten, vor allem auf dem Gebiet der klaren Kommunikation ohne Kakophonie.

Eine der vielen Untergruppen versammelt den geballten ökonomischen Sachverstand der Schweiz. Genauer: den theoretischen Sachverstand. Geleitet wird diese Gruppe von Jan-Egbert Sturm, Chef der Konjunkturforschungsstelle an der ETH Zürich (KOF). Der fiel letzthin mehrfach durch krachende Fehlprognosen bezüglich der wirtschaftlichen Entwicklung auf. Dann setzte er sich mit haltlosen Behauptungen auf dem Gebiet der Epidemiologie in Szene und ins Fettnäpfchen.

Von dieser Gurkentruppe von Uniprofessoren verlangte der Bundesrat eine volkswirtschaftliche Einschätzung der Auswirkungen seiner letzte Woche angekündigten verschärften Massnahmen. Das daraus entstandene Paper blieb zunächst unter Verschluss, nun ist’s abrufbar.

Nein, man muss die 13 Seiten nicht vollständig durchlesen. Der «Exekutive Summary» reicht bereits, damit man sich darüber im Klaren wird: Aufgrund unbelegter Annahmen und Hypothesen werden hier Schlussfolgerungen, Einschätzungen und Ratschläge verstreut. Eigentlich kann man schon an der Stelle aufhören, wo ausgeführt wird, dass die Aussagen und Einschätzungen aufgrund eines Konjunkturmodells der KOF erfolgen.

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