Moderne Brandzeichen

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26-01-21 11:25:00,

Im Brockhaus Konversationslexikon vor rund 125 Jahren war nachzulesen, dass Sklavenhalter vor 2.000 Jahren in Rom entflohenen und wiedererlangten Sklaven auf ihren Körper ein „F“ für „fugitivus“ (deutsch: Flüchtling) aufbrandten. Verleumder wurden eine Zeit lang mit einem „C“ auf der Stirn gezeichnet. Der Buchstabe stand für „calumniator“ (deutsch: Rechtsverdreher, falscher Ankläger). Ebenso markierten die Römer die zu Zwangsarbeit in den Bergwerken Verurteilten mit einem Brandzeichen. Andreas Hartmann hat im Jahr 2013 aufgrund seiner Forschungen begründet, warum eine solche Brandmarkung/Tätowierung allgemein den Sklavenhandel beschränkt hat: Sie habe „den Wert des Sklaven in unzumutbarer Weise dauerhaft gemindert“ (1).

Im europäischen Mittelalter wurden Personen bei der Folter mit einem glühend heißen Eisen gepeinigt, bis ihnen ein Schandmal als sichtbares Zeichen der Schande eingebrannt war.

In Virginia wurden schon im 17. Jahrhundert bei Sklaven Brandzeichnungen angewendet.

Noch bis 1832 wurden in Frankreich Galeerensträflinge mit der Brandmarke „T. F.“ für „travaux forcés“ (deutsch: Zwangsarbeiten) gekennzeichnet (2).

In diesen drei zuletzt genannten Fällen ging es aber im Gegensatz zum antiken Sklavenhandel gerade darum, diese Menschen zu markieren, um ihren Wert in den Augen der übrigenGesellschaft herabzusetzen.

Man sollte meinen, dass zumindest in der entwickelten bürgerlichen Gesellschaft, an deren Beginn die Losung „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ stand, eine derartige Stigmatisierung von Menschen als inhuman abgelehnt würde und rechtlich unzulässig wäre. Denn heutzutage werden mit Brandzeichen eventuell noch Pferde und Rinder gekennzeichnet, um ihre Zugehörigkeit zu einer Tierrasse oder auch zu einem Eigentümer sichtbar zu dokumentieren (3). Doch in einem der dunkelsten Kapitel der jüngeren deutschen Geschichte erlebte die Markierung von Menschen eine perverse Wiedergeburt.

Während der faschistischen Diktatur in Deutschland erinnerten sich wohl die politischen Machthaber an die Brandmarken und Schandmale für Menschen. Häftlinge im Konzentrationslager Auschwitz erhielten ab Herbst 1941 ihre Häftlingsnummer eintätowiert. Mit einer solchen ewigen Kennzeichnung des menschlichen Körpers wollten die Nazis Verwechslungen von entkleideten Leichen ausschließen und andererseits geflohene Häftlinge leichter als „Schädlinge des gesunden Volkskörpers“ identifizieren können. In der Wikipedia ist dazu nachlesbar: „Normalerweise wurde die Häftlingsnummer auf den linken Unterarm tätowiert. Eine Ausnahme bildeten Säuglinge und im Lager geborene Kinder. Da ihre Unterarme nicht ausreichend Platz für eine Tätowierung boten, wurden stattdessen andere Stellen, zum Beispiel Oberschenkel, tätowiert“ (4).

Es dürfte unbestritten sein, dass die Opfer Markierung/Tätowierung weder in der römischen Sklaverei noch unter der mittelalterlichen Folter,

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