Serbien in Zeiten der Corona-Pandemie – Kein Lockdown und freie Wahl des Impfstoffes

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26-01-21 11:38:00,

Unmittelbar nach der Nato-Aggression gegen Serbien 1999 haben wir in der oberbayerischen Kreisstadt Pfaffenhofen unsere Friedensgruppe „Freundschaft mit Valjevo e.V.“ gegründet. Unser Ziel war es, humanitäre Hilfe zu leisten, Jugendaustausch zu organisieren und beispielgebend eine Freundschaft zwischen ihrer Stadt und der serbischen Stadt Valjevo aufzubauen. Im vergangenen Jahr gehörte Valjevo samt den eingegliederten Dörfern mit seinen rund 86.000 Einwohnern zu den Hotspots der Pandemie in Serbien. Bis einschließlich 21.1.2021, so der Chefredakteur der Lokalzeitung „Napred“, Slobodan Ciric, waren 151 Bürger mit oder infolge des Virus verstorben. Insgesamt gesehen aber liegen die Sterbefälle in Serbien (knapp 3.900) auf die Bevölkerung umgerechnet deutlich unter den Zahlen in Bayern. Welche Maßnahmen wurden getroffen und wie stellt sich die Situation heute in Valjevo und in Serbien dar? Von Bernd Duschner.

Impfung ist kein Zauberstab

Wie im ganzen Land wurde mittlerweile in Valjevo mit der Impfung begonnen. [1] Sie ist freiwillig und wird zunächst den besonders von COVID-19 gefährdeten Bürgern mit über 65 Jahren angeboten. Für den serbischen Virologen Milanko Sekler ist die Impfung „kein Zauberstab“, er ist jedoch optimistisch, dass im Zusammenwirken von Präventivmaßnahmen, Impfung und des hohen Anteils von Bürgern, die als Folge einer Erkrankung bzw. einer asymptomatisch verlaufenen Infektion bereits Immunität erworben haben, das Virus bald seine Bedeutung verlieren wird. [2] Aktuell können sich die Bürger Serbiens zwischen drei Impfstoffen entscheiden, dem neuartigen Impfstoff von BioNTech-Pfizer (mit Nanopartikeln umhüllter mRNA-Impfstoff), dem russischen Impfstoff Sputnik (vektorbasierter mRNA-Impfstoff) und dem herkömmlichen Impfstoff von Sinofarm (Impfstoff mit inaktiviertem Virus). Präsident Aleksandar Vucic war Mitte Januar persönlich zum Belgrader Flughafen Nikola Tesla geeilt, um die erste Lieferung von 1 Million Impfdosen aus China in Empfang zu nehmen. Er bezeichnete die Lieferung als „Ausdruck der großen Freundschaft“, die zwischen beiden Ländern besteht. [3] Als erster Impfstoff wird seit vergangener Woche das Produkt von Sinofarm in Valjevo angeboten.

Die serbische Bevölkerung ist im Allgemeinen sehr kritisch gegenüber Aussagen und Maßnahmen ihrer Regierung. Nach einer repräsentativen Umfrage des Institutes DEMOSTAT vom September 2020 hatten sich nur 46% der Bevölkerung bereiterklärt, sich impfen lassen. 31% erklärten, eine Impfung auf jeden Fall abzulehnen.[4] Zu ihnen gehört der populäre Lungenfacharzt und Universitätsprofessor Branislav Nestorovic, der seinen Mitbürgern vielmehr empfiehlt, ihr eigenes Immunsystem zu stärken und ihr Leben zu genießen.[5]

Die Belgrader Regierung bemüht sich deshalb sehr stark,

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