Office go home!

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27-01-21 04:22:00,

Bereits vor der Pandemie rangen die Sozialdemokraten um das Homeoffice. Jeder sollte einen Anspruch auf Arbeiten von zu Hause aus haben, forderten sie noch vor zwei Jahren. Mit der Union war das nicht zu machen. Die Rollen waren klar verteilt in dieser Konstellation: Die Sozialdemokraten schmückten sich als die Progressiven, die von der wieder mal rückständigen Union ausgebremst wurden. So gefällt sich die SPD seit Jahren am allerbesten.

Man könnte es aber auch anders lesen. Denn die Sozis zeigten mit der Forderung auf, dass sie keine Ahnung von der Arbeitswelt haben. Etwa 50 Prozent aller Arbeitsplätze in Deutschland sind Bildschirmarbeitsplätze. Die andere Hälfte arbeitet mit Material, als Dienstleister oder unmittelbar am Mitmenschen. Für sie gilt gewissermaßen Präsenzpflicht. Aber auch nicht jeder Bildschirmarbeitsplatz kann ins Homeoffice abwandern. Die Arzthelferin, die am Rechner Daten aufnimmt, muss zum Beispiel in der Praxis anwesend sein. Dasselbe gilt für jene, die bei der Netzleitstelle der Bahn vor Monitoren sitzen.

Das Recht auf Homeoffice, das die Sozialdemokraten da forderten, hätte demnach einem recht kleinen Teil der arbeitenden Bevölkerung gegolten. Für eine Partei, die über Jahrzehnte wenig Interesse an jenen zeigte, die noch richtig körperlich arbeiten müssen, war das freilich nur konsequent. Es ist ja auch ein gesellschaftliches Problem, wer auf dem Weg zur Arbeit das Autoradio dudeln lässt, hört oft Moderatoren, die der Zuhörerschaft auf „ihrem Weg zum Büro“ gute Laune vermitteln wollen. Auf dem Weg zur Werkstatt wird man nie belustigt. Offenbar arbeitet in der allgemeinen Wahrnehmung heute jeder in einem Büro — und jede anstrengende Tätigkeit verrichtet man nur noch per Knopfdruck am Kontrollbildschirm.

Aber auch für jene, die berechtigte Hoffnung auf einen Arbeitsplatz im eigenen Wohnzimmer haben dürfen, ist das Homeoffice ja nur sehr bedingt ein Zuckerschlecken. Man stellt sie sich im Schlafanzug vor, im Schneidersitz auf dem Sofa, nebenbei läuft „Shopping-Queen“ oder man daddelt die Candy Crush Saga. Die eigentliche Arbeit ist lediglich eine lästige Nebenwirkung.

Schon nach dem ersten Lockdown vernahm man von Menschen, die ins Homeoffice umziehen mussten, dass sie sich gestresst fühlten.

Eine pädagogische Kraft eines Kindergartens erzählte mir, dass sie mit so viel Berichten, Vorbereitungen und Auswertungen beschäftigt wurde, dass sie regelrecht Stress entwickelte. Und das in heimischen Gefilden, dort, wo man eigentlich die Welt und die Schnelllebigkeit der Gesellschaft aussperrt, wo man Ruhe tankt,

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