Fallstudie Brasilien – Der Sauerstoff-Kollaps am Amazonas und die gesteuerte Covid-19-Katastrophe Jair Bolsonaros – Ein Plädoyer für internationale Sanktionen

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28-01-21 04:29:00,

Die Bilanz der bisherigen Amtszeit des rechtsgerichteten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro ist eine einzige Katastrophe. Insbesondere im Zusammenhang mit der in Brasilien besonders hart wütenden Covid-19-Pandemie zeigt sich, dass Bolsonaro nicht nur auf ganzer Ebene versagt, sondern förmlich einen Krieg gegen sein eigenes Volk führt. Von Frederico Füllgraf.

Manaus, Landeshauptstadt des Bundesstaates Amazonas, Mitte Januar 2021. In der Universitätsklinik stirbt eine ganze Abteilung mit Covid-19-Patienten am Erstickungstod wegen Sauerstoffverknappung. Tränenübergossen, mit bebender Stimme hinter einer Atemschutzmaske, erstellt eine Krankenhelferin vom öffentlichen Gesundheitsdienst ein Handy-Video und fleht um Hilfe: „Überall ist der Beatmungs-Sauerstoff ausgegangen, es sterben zu viele, in Gottes Namen, wir brauchen Hilfe!“.

In der gleichen Notstation rennt eine Familie gegen die Zeit, um Sauerstoff für Joecy Coelho da Silva, 83 Jahre, zu beschaffen, die am 7. Januar wegen Covid-19 ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Ihr Enkel, der 32-jährige Werberedakteur Luis Queiros, suchte 43 Sauerstoff-Lieferanten auf, es gelang ihm jedoch kaum, den erforderlichen 10-Kubikmeter-Zylinder voll nachzuladen. Also mietete er einen 2-Kubikmeter-Zylinder für umgerechnet 80 Euro, der allerdings in weniger als einer Stunde ausgeht. Dennoch beschloss die Familie, sich am Gerät abzuwechseln, um der alten Frau per Hand Sauerstoff in die Lunge zu pumpen, was wiederum mit der Inkaufnahme eines Ansteckungs-Risikos der Beteiligten und der Virus-Übertragung auf die Verwandtschaft einhergeht.

Während der Behandlung einer anderen älteren Frau improvisiert der 23-jährige Krankenpfleger Klinger de Castro Falcão eine leere PET-Flasche als Zylinder. „Die Dame hat so hart um ihr Leben gekämpft, dass ich beim Versuch, ihr Leben zumindest zu verlängern, bis Sauerstoff kam, alles getan habe, was ich konnte, und auch, was nicht üblich ist. Es hat den Anblick des Absurden, dass eine Person im Bett sterben muss, nur weil nirgendwo Sauerstoff verfügbar ist. Doch wer für diese Zustände die Verantwortung trägt, wird eines Tages dafür zahlen müssen. Gehen Sie mit Gott, Frau Iolanda!“, beklagte Falcão auf Twitter.

Doch nicht nur Manaus geht buchstäblich die Luft aus, sondern auch dem tiefen Dschungel-Hinterland, wie dem 360 Kilometer westlich der Hauptstadt liegenden Amazonas-Uferstädtchen Coari. Dort erstickten seit dem 15. Januar mindestens sieben Covid-19-Patienten wegen Sauerstoffmangels. Der Bürgermeister macht den Landesgouverneur für die Tragödie verantwortlich. Nach den Indigenen im gesamten Amazonas-Gebiet fragt schon kaum ein Medium mehr, doch sind nicht weniger als 161 Stämme betroffen,

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