„Im Rausch des Ausnahmezustands springen zu viele Politiker über ihren demokratischen Schatten“

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28-01-21 11:26:00,

„Ein kleiner Vorgeschmack auf dystopische Zeiten“ – das erkennt der Verleger Hannes Hofbauer in einer Beobachtung, die er vor kurzem auf dem Wiener Rathausplatz gemacht hat. Dort, so der Österreicher im NachDenkSeiten-Interview, gibt es einen Eislaufplatz, den die Menschen nur mit einem Distanzwarner betreten dürfen – wegen Corona. Ein Interview über den aktuellen Lockdown, die Lage in Österreich und die Zeit, die vor uns liegt. Von Marcus Klöckner.

Herr Hofbauer, unser letztes Interview ist vom Oktober des vergangenen Jahres. Sie haben damals schon den Lockdown kritisiert. Nun ist es fast Februar 2021 und an der Politik hat sich nichts Grundlegendes geändert. Im Gegenteil: Die Maßnahmen werden härter. Wie erklären Sie sich das?

Mehr vom Schlechten, könnte man sagen, und dies über einen immer längeren Zeitraum. Der Lockdown zeitigt unübersehbare negative Folgen, und das auf vielfache Art und Weise. In gesellschaftlicher Hinsicht macht er die Menschen ungleicher; eine fünfköpfige Migrantenfamilie in einer 45-Quadratmeter-Wohnung hält die Ausgangssperren viel schwerer aus als ein Paar, das eine große Villa bewohnt, wie etwa Minister Spahn und sein Mann.

Es wird immer wieder davon geredet, dass das Virus sich nicht um Klassenzugehörigkeit kümmert. Aber in der Pandemie sind dennoch nicht alle gleich. Wer einen angenehmen Wohnraum zur Verfügung hat und sich um seine finanzielle Situation keine Sorgen machen muss, dürfte mit dem Lockdown einfacher klarkommen als Menschen, bei denen die Maßnahmen an die psychische und wirtschaftliche Substanz geht.

Die fortgesetzte und immer weiter verschärfte soziale Isolierung ist menschenunwürdig und sie trifft Arme eindeutig härter als Reiche. Vor den daraus entstehenden psychologischen Folgen warnt jeder verantwortungsvolle Mediziner oder Psychotherapeut. Sie werden aber nicht gehört.

Nochmal zur Ausgangsfrage: Wie erklären Sie sich, dass die Lockdown- Maßnahmen aufrechterhalten bleiben und sogar verschärft werden?

Nun, um die Gesundheit geht es der Regierung nicht. Ginge es ihr darum, dann hätte sie seit dem vergangenen Frühling alles dafür getan, die vulnerablen Gruppen zu schützen. Stattdessen sterben mehr und mehr alte, vereinsamte Menschen in Heimen, der Lockdown schützt sie nicht. Diese weit über 50% der Corona-Toten gehen auf das Konto einer verfehlten Politik. Aber für manch einen mag sie gar nicht verfehlt sein. Wenn Mitte Mai 2021 im autoritären Stadtstaat Singapur, in dem Prügel- und Todesstrafen an der Tagesordnung sind, sich die Spitzen aus Politik und Wirtschaft beim Weltwirtschaftsforum (WEF) treffen werden,

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