Die unsichtbare Apokalypse

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29-01-21 11:33:00,

Beim Anblick der Welt an einem Morgen des Jahres 2021 bietet sich dem Betrachter ein Bild, das sich augenscheinlich zunächst nicht sonderlich von dem unterscheidet, das er noch vor einigen Monaten sah. Ein Stein steht noch auf dem anderen, keine Rauchsäulen verdecken die Morgensonne, auf den Bürgersteigen liegen keine Toten. Auf den Straßen fließt der Berufsverkehr, keine Militärkonvois. Für einen kurzen Moment könnte man der Illusion erliegen, alles sei wie immer.

Doch schon kommen die ersten Dissonanzen, die das Trugbild enttarnen. Auf dem Bürgersteig fährt ein maskierter Radfahrer. Ein Bus mit maskierten Fahrgästen zieht vorbei, die apathisch auf ihr Handy blicken. „Frieden“ herrscht in diesem Bus nur so lange, bis einer der Fahrgäste die Maske abnimmt oder sogar „unmaskiert“ einsteigt. Die scheußlichsten Gruppendynamiken würden sich Bahn brechen und die Menschen würden dem Ausreißer an den maskenfreien Kragen gehen. Vor dem Bäcker an der Straßenecke wartet eine geordnete Schlange. Alle stehen da, maskiert und an den durch Bodenmarkierungen vorgeschriebenen Positionen.

Irgendwie ist alles gleich und doch alles anders. Die politisch Verantwortlichen führen Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Der vierte Weltkrieg zeigt sich in der verstörenden Andersartigkeit und diesem unbestimmten, schwer zu umschreibenden Etwas, das in der Luft liegt. Ganz so, als flögen Dementoren über unsere Dächer und würden ihre Lebenskraft-raubende Beklemmung in jeden Winkel hineintragen.

Giorgio Agamben fand hierfür folgende Worte:

„Welches Haus brennt? Das Land, in dem du lebst, oder Europa oder die ganze Welt? Vielleicht sind die Häuser, die Städte schon niedergebrannt, wir wissen nicht, seit wann, in einem einzigen immensen Brand, den wir nicht zu sehen vorgaben. Von einigen bleiben nur Mauerstücke, eine mit Fresken bemalte Wand, ein Stückchen des Daches, Namen, viele Namen, schon angebrannt. Und doch bedecken wir sie so akkurat mit weißem Putz und verlogenen Worten, dass sie intakt erscheinen. Wir leben in Häusern, in Städten, die von oben bis unten verbrannt sind, als ständen sie noch. Die Leute täuschen vor, dort zu leben, und treten maskiert hinaus auf die Straße zwischen die Ruinen, als wären es noch die vertrauten Viertel von einst.“

„Und nun hat die Flamme ihre Form und Natur verändert, ist digital, unsichtbar und kalt geworden, aber gerade deshalb ist sie näher, umgibt uns immer und überall.“

Weite Teile der Bevölkerung übernehmen die Elemente der neuen Normalität — Maske,

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