Unter Mördern und Irren

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30-01-21 06:52:00,

Im Jahre 1961 veröffentlichte Ingeborg Bachmann eine Kurzgeschichte mit dem Titel „Unter Mördern und Irren“ (1). Dieser Text, dem ausgerollten Glauben widersprechend, der Faschismus sei mit dem Ende Hitlers überwunden, wurde nicht zu einem bekannten Titel der Schriftstellerin und Denkerin, die ihren Namen für die Klagenfurter Literaturshow hergeben muss. Und dass eine so systemkonforme Angelegenheit wie diese Show überhaupt auf Bachmann referiert, kann nur einem fundamentalen, allerdings in sich logischen Unverständnis geschuldet sein.

Als man, wen wundert‘s, das Gesamtwerk der Denkerin mit der Schablone des sexuellen Missbrauchs zu fassen versuchte, dachte ich, der Höhepunkt der Textentschärfung sei erreicht. Gefehlt. Es ließ sich punkto Abzug der Kritik von den Zentren der Macht noch eins drauflegen, und so erklärte die Germanistin Ina Hartwig den Mord, den die Autorin als letztes Wort ihres Romans „Malina“ setzt, zu einer Selbstzerstörung. Ganz im neoliberalen Sinne: Der Mensch ist seines Glücks Schmied. Und geht was schief, so geht auch das auf ihn selbst zurück. Niemals aufs System. Das ist mit Eigenverantwortung gemeint, und Macht gibt es nicht. Das heißt, es gibt sie schon, irgendwie, aber sie ist so verästelt und am Ende jeder daran so unentrinnbar beteiligt, dass sie mit Ohnmacht und überhaupt allem verschwimmt und sich jedem Zugriff entzieht.

Dieses neoliberale Mantra, eingeleitet weit im 20. Jahrhundert drin mit dem Kongress der kulturellen Freiheit und der zielgenauen Einführung des Begriffs der Verschwörungstheorie durch die CIA zwecks Diffamierung sämtlicher Macht-Entschleierungsversuche und am Ende überhaupt jeder erkenntnistheoretischen Reflexion, hat mittlerweile alles durchseucht, sodass Irre und Mörder wie zu Hitlers Zeiten nicht nur die Welt regieren, sondern dabei gänzlich bieder als das Gegenteil dessen auftreten können, was sie sind: als Verkörperung von Vernunft und Verstand. Eine Pandemie wurde fällig.

„Einproben“ ist dafür der angemessene Begriff, denn es ging bei all den Übungen, von Dark Winter bis Event 201, die dem Virus den Weg ebneten, nicht um wissenschaftliche Versuchsanlagen, vielmehr saßen die Teilnehmer, überwiegend keine Wissenschaftler und wenn, dann Lobbyisten, ganz trivial an Tischen und übten Rollen ein. Die Texte, allesamt der totalitären Rhetorik entnommen, waren drehbuchmäßig vorgefertigt. So wird keine Erkenntnis gewonnen, so werden eben Inszenierungen geprobt. Abläufe, Rollenverteilung, Finanzierungen, Vorwegnahme möglicher Kritik und vor allem: Zensur und Propaganda.

In Bachmanns Erzählung sitzen ebenso Gruppen um Tische. In einem Wirtshaus. Ein paar Jahre nach dem Krieg.

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