David gegen Goliath an der Wall Street? | Von Ernst Wolff | KenFM.de

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01-02-21 02:25:00,

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Ein Kommentar von Ernst Wolff.

In der vergangenen Woche kam es an der Wall Street zu Turbulenzen, die weltweit große Aufmerksamkeit erregten. Einzelne Aktienkurse schossen auf Rekordwerte, stürzten kurze Zeit später ab und sorgten anschließend für Kursschwankungen in nie gekanntem Ausmaß.

Die Mainstream-Medien verbreiteten umgehend folgende Version der Ereignisse: Große Gruppen von Kleinanlegern hätten sich über Trading Apps wie Robinhood und WallStreetBets zusammengetan, gierige Hedgefonds durch gezielte Aktienkäufe in die Enge getrieben und den Marktgiganten damit den Fehdehandschuh hingeworfen.

Die Crowd gegen das Großkapital – das klingt nach einer hollywoodreifen Auseinandersetzung zwischen David und Goliath und lässt die Menschen aufhorchen. Doch leider hat diese Darstellung der Ereignisse mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun. Es handelt sich nämlich um ein abgekartetes Spiel, bei dem Davids bitteres Ende vorprogrammiert ist.

Schauen wir uns die Vorgänge einmal genauer an:

In den vergangenen Jahren sind immer mehr provisionsfreie Trading Apps auf den Markt gekommen, die es vor allem jungen Leuten sehr einfach machen, online mit Aktien zu handeln. Dieser Trend hat sich im vergangenen Jahr erheblich verstärkt. Während des Lockdowns haben viele junge, zum Teil arbeitslose Menschen zu spekulieren begonnen. Dadurch ist ein Markt entstanden, der allein in den USA inzwischen die Eine-Billion-Dollar-Grenze überschritten hat.

Da die meisten dieser Neulinge, Neotrader genannt, vom Spekulationsgeschäft so gut wie keine Ahnung haben, stellen die Anbieter Plattformen bereit, auf denen der einzelne User nachsehen kann, wie seine Mitstreiter traden. So kommt es häufig zu einer Art Schwarmbildung, die den Kurs einzelner Aktien in die Höhe treibt.

Das nimmt wegen der Naivität der Beteiligten bisweilen bizarre Züge an.

So sind zum Beispiel die Aktien des US-Autovermieters Hertz nach dessen Insolvenz im vergangenen Sommer plötzlich um fast 1500 Prozent gestiegen, weil sich ein Schwarm von RobinHood-Tradern darauf gestürzt hatte.

In der vergangenen Woche konnte man nun ein ähnliches Phänomen beobachten, das allerdings erheblich größere Auswirkungen hatte und daher hohe Wellen schlug: Trader von WallStreetBets und RobinHood trieben die Aktienkurse der Unternehmen GameStop und AMC in aberwitzige Höhen.

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