Gute Proteste, böse Proteste: Wie der Spiegel über aktuelle Demonstrationen in verschiedenen Ländern berichtet | Anti-Spiegel

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01-02-21 02:21:00,

Dass der Spiegel zu einer Propaganda-Schleuder verkommen ist, ist nicht neu. Aber am Sonntag wurde es wieder besonders deutlich, als es große Proteste in Dänemark, Frankreich, Belgien und Österreich gab. Berichtet hat der Spiegel aber fast nur über Proteste in Russland.

Es ist faszinierend zu sehen, was der Spiegel für berichtenswert hält. Wenn in deutschen Nachbarländern große Proteste stattfinden, ist das für den Spiegel nicht wirklich berichtenswert. Entweder berichtet er gar nicht, oder nur sehr kurz und oberflächlich. Aber selbst kleine Demos in Russland sind dem Spiegel gleich sechs Artikel an einem Tag wert. Zehntausende protestieren in Frankreich

In Frankreich gab es am Sonntag wieder große Proteste gegen das neue Sicherheitsgesetz, über das ich bereits berichtet habe. Der Hintergrund ist die exzessive Polizeigewalt in Frankreich, bei den Protesten der Gelbwesten haben weit mehr als hundert Menschen durch Gummigeschosse und Granaten der Polizei Gliedmaßen verloren. Anstatt aber gegen diese Polizeigewalt vorzugehen, hat die französische Regierung ein Gesetz eingebracht, dass es unter Strafe stellt, Polizisten im Einsatz so zu filmen, dass sie identifiziert werden können. Damit würde es praktisch unmöglich werden, Polizeigewalt aufzuklären und zu bestrafen.

Die Proteste dauern seit Monaten an und auch am Sonntag waren wieder zehntausende auf den Straßen, selbst der Spiegel spricht von über 30.000 Demonstranten. Der Spiegel kritisiert das Gesetz sogar, der Grund dürfte sein, dass auch der Presse das Gesetz nicht gefällt, denn auch Journalisten könnten sich strafbar machen, wenn sie nach der Annahme des Gesetzes auf Demos in Frankreich Polizisten filmen. Aber anstatt das Thema ausführlich zu behandeln (oder gar offen Sturm gegen das Gesetz zu laufen), waren die großen Proteste vom Sonntag dem Spiegel nur einen kurzen Artikel wert, der mit folgendem Absatz endete:

“In Paris kritisierten die Demonstranten am Wochenende nicht nur das umstrittene Sicherheitsgesetz, sondern setzten sich auch für die Kultur ein. Videos zeigten zu Technomusik tanzende Menschen, auch Kunst-Performances waren Teil des Protests. Kultureinrichtungen wie Kinos, Theater und Museen sind in Frankreich wegen der Corona-Pandemie seit Monaten geschlossen.”

Das klingt nach einem entspannten Happening, Videos auf YouTube zeigen jedoch andere Bilder. Dort sind massive Zusammenstöße mit der Polizei zu sehen und man hört das Knallen von Granaten und abgeschossenen Gummigeschossen. Aber das braucht der Spiegel-Leser ja nicht zu wissen, wenn es in Frankreich passiert.

Wie würde der Spiegel wohl berichten,

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