H & M kennt keine Gnade

h-&-m-kennt-keine-gnade

01-02-21 01:46:00, imago0092288559h.jpg

imago images / Ralph Peters

Die H&M-Beschäftigten protestieren schon seit langem gegen schlechte Arbeitsbedingungen (München, 16.7.2019)

Der schwedische Modefilialist H & M hat lange den Trend zur Digitalisierung verschlafen. Nun sollen die Beschäftigten die spät begonnene Neuausrichtung bezahlen: 800 Stellen will das Unternehmen in Deutschland streichen. Dabei verfügt der Konzern über hohe Rücklagen. Für das von Dezember 2019 bis November 2020 laufende Geschäftsjahr verfügte H & M über einen Gewinn vor Steuern von 2,05 Milliarden Schwedischen Kronen (rund 203 Millionen Euro), wie das Unternehmen am Freitag in Stockholm mitteilte – dank »guter Kostenkontrolle«, wie es hieß. Im Jahr zuvor stand sogar ein Plus von 17,4 Milliarden Schwedischen Kronen (1,72 Milliarden Euro) in der Bilanz.

Um den Profit zu steigern, hat H & M ein »Freiwilligenprogramm« aufgelegt, das vor allem an Beschäftigte adressiert ist, die nicht zu umsatzstarken Zeiten in den Filialen arbeiten können. »Das heißt: H & M will insbesondere Beschäftigte mit Kindern oder schwerbehinderte Kolleginnen und Kollegen loswerden, die auf sozial- und gesundheitsverträgliche Arbeitszeiten angewiesen sind«, schreibt Verdi in einem aktuellen Flugblatt an die Mitarbeiter. Die Bundestarifkommission der Gewerkschaft lehnt das sogenannte Freiwilligenprogramm dezidiert ab, aber H & M möchte ohnehin Verdi umgehen und den Arbeitsplatzabbau mit Betriebsräten vereinbaren.

Wie wenig »freiwillig« dieses Arbeitsplatzabbaupapier tatsächlich ist, hatte Business Insider am Donnerstag berichtet. Dort wird eine H-&-M-Betriebsrätin aus Süddeutschland mit der Aussage zitiert, dass die »Mitarbeiterinnen (…) direkt in den Filialen unter Druck gesetzt« würden, Aufhebungsverträge zu unterschreiben. Das Augenmerk liege dabei auf Alleinerziehenden und Schwerbehinderten, die weder spät abends noch am Wochenende arbeiten könnten. »Das, was H & M macht, ist kein Freiwilligenprogramm«, so die Betriebsrätin.

Der Gesamtbetriebsrat (GBR) fordert gemeinsam mit Verdi die Aufnahme von Verhandlungen über einen Digitalisierungstarifvertrag. »Nicht nur die Beschäftigten, sondern auch das Unternehmen selbst braucht offensichtlich eine solide Grundlage, um den technologischen Wandel von H & M zu gestalten«, erklärte der zuständige Betreuungssekretär Damiano Quinto in einem Rundschreiben. Mittlerweile hat die Geschäftsleitung gegenüber dem GBR erstmals ihren Willen zur Kooperation bekundet. Eine entsprechende E-Mail vom 21. Januar beantwortete Verdi mit einer offenen Mail: »Wir freuen uns über dieses erstmalige betriebsöffentlich gemachte Interesse an den Inhalten eines Digitalisierungstarifvertrages und möchten als zuständige Tarifgewerkschaft gerne hierauf eingehen«, heißt es dort. Die Gewerkschaft wiederhole ihr Verhandlungsangebot vom 20. Juli 2020, auf das H & M nicht geantwortet hatte.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: