Michael Hartmann: „Ärmere Haushalte müssen sofort massive Hilfe erfahren“

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01-02-21 02:12:00,

Ob in den USA, in anderen westlichen Industriestaaten oder in Deutschland: Die Pandemie setzt den Armen schwer zu. Betroffen sind insbesondere auch die Kinder. „Die Bildungsbenachteiligung für diese Kinder wird massiv zunehmen“, sagt der Soziologe Michael Hartmann im Interview mit den NachDenkSeiten. Der Rückstand der armen Kinder werde deutlich größer ausfallen, als es bisher schon der Fall war. „Die Konsequenzen“, so der Eliteforscher, „wird man in den nächsten Jahren und Jahrzehnten sehen.“ Ein Interview über die Lage armer Kinder in der Pandemie, die schweren Auswirkungen auf geringfügig Beschäftigte und die Frage, was Politiker nun unternehmen sollten. Von Marcus Klöckner.

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Michael Hartmann war 2017 Gast der Pleisweiler Gespräche und bot bei seinem Vortrag viele Einsichten in die wirkliche Lage der Einkommens- und Vermögensverteilung und zu den Hintergründen.

Herr Hartmann, in den vergangenen Monaten war immer mal wieder zu hören, das Virus mache nicht vor Klassengrenzen Halt. Es treffe Arme, aber auch Reiche.
Die Realität ist aber doch: In der Pandemie gibt es sehr wohl ziemliche Unterschiede zwischen den Armen und Reichen. Wie sehen Sie das?

Natürlich gibt es große Unterschiede. Die Pandemie wirkt wie ein Brennglas. Sie macht schon existierende Unterschiede deutlicher und verstärkt sie gleichzeitig. Früher und auch deutlicher als in Deutschland war das in den USA zu beobachten, weil die erste Welle dort sehr viel stärker ausfiel und bei den statistischen Erhebungen fast immer nach „Race“ unterschieden wird.

Wie meinen Sie das?

Die Afroamerikaner waren dreimal häufiger von einer Infektion durch Covid 19 betroffen als ihre weißen Landsleute und sie starben sogar fast viermal häufiger daran. Der wesentliche Grund für diese enorme Differenz ist in den unterschiedlichen Lebensbedingungen zu suchen. Das Haushaltseinkommen der weißen US-Amerikaner liegt mit gut 76.000 Dollar um zwei Drittel höher als das ihrer schwarzen Mitbürger, die es nur auf gut 45.000 Dollar bringen. Hier schlägt sich nieder, dass die Afroamerikaner in der Regel deutlich schlechter bezahlte und unsicherere Jobs haben. Im Niedriglohnsektor sind sie weit überproportional vertreten. Das bedeutet unter anderem auch, dass sie seltener krankenversichert sind. All das macht sie für die Pandemie wesentlich anfälliger.

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