Wenn Maschinen Menschen kontrollieren – Erfahrungen mit der häuslichen Corona-Quarantäne in Moskau

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01-02-21 02:19:00,

Wer in Moskau eine leichte Corona-Erkrankung in häuslicher Quarantäne auskuriert, muss sich mehrmals am Tag über eine Corona-App und ein Selfie „identifizieren“. Unser Autor berichtet, warum es gegen die App Proteste gibt. Von Ulrich Heyden, Moskau.

Bis vor kurzem dachte ich, ich könnte die Corona-Krise in meiner Moskauer Wohnung locker überstehen. Diese meine Erwartung änderte sich in der zweiten Januar-Woche. Mir war übel und ich bekam 38,5 Grad Fieber. Nach ein paar Tagen klangen die Symptome wieder ab.

Um auf Nummer sicher zu gehen, ging ich in eine private Ambulanz, um einen Corona-Test zu machen. Und dann die Überraschung: Bevor ich die offizielle Mitteilung der Ambulanz bekam, stand am 17. Januar plötzlich ein Erste-Hilfe-Wagen vor meiner Tür. Ein freundlicher Arzt teilte mir mit, ich sei positiv getestet worden. In meiner Wohnung kontrollierte er über eine Klammer an meinem Mittelfinger den Sauerstoffgehalt in meinem Blut und hörte meine Lunge ab. Der Sauerstoffgehalt lag mit 98 Prozent im grünen Bereich und auch in der Lunge gab es nichts Besonderes zu hören. Der Arzt erklärte, ich hätte nur schwache Corona-Symptome, müsse aber erstmal zwei Wochen zuhause bleiben.

Wer zu häuslicher Quarantäne nicht bereit ist, muss ins Krankenhaus

Ich verpflichtete mich schriftlich, mich vierzehn Tage lang nicht aus der Wohnung zu bewegen. Außerdem kam ich der Verpflichtung nach, die Corona-App mit dem Namen „Social Monitoring“ auf mein Handy zu laden. Über die App wird seitdem kontrolliert, wo ich mich aufhalte beziehungsweise wo mein Handy sich aufhält.

Hätte ich die Verpflichtungserklärung nicht unterschrieben und die App nicht hochgeladen, wäre ich zwangsweise in ein spezielles Krankenhaus eingeliefert worden. Wer kein Handy hat, dem wird von der Stadt Moskau notfalls eins zur Verfügung gestellt.

Noch zweimal kamen Ärzte von der nahegelegenen Poliklinik in meine Wohnung, um meine Lunge abzuhören. Doch da ich mich immer besser fühlte, mein Husten und meine Ermattung zurückgingen und die Körpertemperatur im normalen Bereich lag, wurde mein Gesundheitszustand in meiner zweiten Quarantäne-Woche von Ärztinnen der nahegelegenen Poliklinik per Telefonanruf kontrolliert.

Meine Corona-App spinnt

Doch es gab ein Problem. Ich kam mit meiner Corona-App nicht klar. Die App teilte mir mit, ich soll ein Selfie schicken. Ich schickte das Selfie, bekam aber kurze Zeit später die Mitteilung, „das Foto konnte nicht geprüft werden“.

Merkwürdig,

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