Gamestop – macht das Casino endlich dicht!

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02-02-21 10:53:00,

Kleinanleger zwingen Hedgefonds in die Knie und bescheren ihnen Milliardenverluste. Was sich in zahlreichen Kommentierungen wie ein modernes Robin-Hood-Märchen anhört, hat jedoch mit dem klassischen Gut-und-Böse-Schema denkbar wenig zu tun. Die Gewinner der größten Börsenposse dieses Jahres sind nämlich nicht die Hobbyspekulanten, für die sich ihr Erfolg über die Hedgefonds noch als Pyrrhussieg herausstellen wird, sondern die ganz großen Player an den Märkten wie BlackRock und die bislang unbekannten Hintermänner der Gamestop-Spekulation. Wenn man eins aus diesem Vorfall lernen könnte, dann ist es das, dass die heutigen Aktienmärkte ein Tummelfeld für Spekulanten sind und ohne ernsthafte Regulierung vollends zum Casino verkommen werden. Von Jens Berger.

Gamestop ist eine US-amerikanische Ladenkette, die Computer- und Videospiele vertreibt. Dieses Geschäftsmodell ist geradezu ein Paradebeispiel für den Strukturwandel durch die Digitalisierung. Wer heute ein digitales Gut wie ein Computerspiel erwirbt, der tut dies in der Regel weder in einem Ladengeschäft oder über einen Online-Versender, sondern lädt es sich ganz einfach über eine digitale Vertriebsplattform wie Steam, Origin oder Uplay auf seinen Rechner. Wer besitzt auch heute noch ein DVD-Laufwerk, um Software von physischen Datenträgern zu installieren? Nur die wenigsten. Und dies ist auch einer der Gründe, warum das Unternehmen Gamestop seit Jahren mit Umsatzrückgängen zu kämpfen hat und mangels eines überzeugenden Konzepts für die Zukunft nach Ansicht der meisten Experten keine Zukunft hat.

Dies sah der Investor Ryan Cohen jedoch anders. Er erwarb Ende August ein 10%-Aktienpaket des strauchelnden Unternehmens, entwickelte ein Sanierungskonzept und rührte dafür mächtig die Werbetrommel. Viele Kleinanleger glaubten Cohen und legten sich ebenfalls Aktien von Gamestop zu. Zwischen August und November vervierfachte sich der Wert der Aktie von rund vier auf fast 16 US$. Hedgefonds, die auf fallende Aktienkurse wetteten und nicht an das von Cohen propagierte Wunder glaubten, nahmen nun die Gamestop-Aktie ins Visier.

Um die Geschehnisse der letzten Woche wirklich zu verstehen, ist es erst einmal nötig, zu verstehen, was Leerverkäufe sind und wie solche Geschäfte heutzutage abgewickelt werden. Die Spekulationsblase rund um die Gamestop-Aktie eignet sich hierbei sehr gut als Musterbeispiel. Wenn ein Hedgefonds im November beispielsweise davon ausging, dass die Gamestop-Aktie wieder auf den alten Wert von vier Dollar zurückfällt und mit diesem Kursverlust Gewinne machen will, muss er einen sogenannten Leerverkauf tätigen. Dafür leiht er sich die Aktie von einem Gamestop-Aktionär, verkauft sie sofort und kauft sie dann später wieder am Markt zurück und gibt sie vor Ende der Leihfrist dem Verleiher zurück.

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