Das opportunistische Manifest

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04-02-21 09:15:00,

Schon im ersten Lockdown, also bald nach dem „Ausbruch“ der Pandemie in Deutschland — es war ja zunächst eher eine ausgerufene als eine ausgebrochene Pandemie — entstand bei mir diese bildliche Vorstellung: „Oh je, das könnte aber in eine Sackgasse führen!“ Wenn Politik und Leitmedien wegen einer solchen Bedrohung, die eben nicht so gewaltig ist wie öffentlich dargestellt, sondern eher am oberen Rand stärkerer Grippewellen verläuft, einen derartigen Notstand inszenieren, wie sollen „wir“ dann da jemals wieder rauskommen? Solche Bedrohungen wird es immer wieder geben.

Im Sommer blieb ich zunächst beim Sackgassen-Bild: Wenn selbst bei insgesamt harmlosen „Zahlen“ und „Fällen“ so viel Aufregung generiert wird, wie soll das erst im Winter werden?

Würde dann für jeweils ein halbes Jahr die Hälfte der bürgerlichen Grundrechte stark eingeschränkt oder quasi ganz aufgehoben? Hier meine ich zum Beispiel das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und auf körperliche Unversehrtheit (Art. 2), das Verbot jeglicher Benachteiligung aufgrund von religiösen oder politischen Anschauungen (Art. 3), das Recht auf ungestörte Religionsausübung (Art. 4) wie auch jenes auf freie Meinungsäußerung (Art. 5) — mit dem schönen Zusatz „Eine Zensur findet nicht statt“ —, die Versammlungsfreiheit (Art. 8), das Fernmeldegeheimnis (Art. 10), die Freizügigkeit im gesamten Bundesgebiet (Art. 11) und andere mehr.

Eine Sackgasse endet an einer Mauer oder in einer toten Schleife. Wenn man die Schilder zuvor nicht beachtet hat, fährt man bis kurz vor das Hindernis, hat dann normalerweise eine, meist mit Enttäuschung und Ärger verbundene, Einsicht — und wendet. Das Bild von der Sackgasse war indes, wie ich nach und nach erkennen musste, offensichtlich falsch. Ich stand allerdings nicht allein mit meinem Irrtum, denn viele Lockdown-Kritiker und Corona-Entdramatisierer hatten ähnliche Vorstellungen: Irgendwann müssten „sie“, unsere Drama-Verantwortlichen, doch zur Einsicht kommen! Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann. Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eigentlich hatten viele von uns doch noch gar keine so rundum schlechte Meinung von unseren Politikern und Medien: Besser spät als nie würden sie ihren Irrtum einsehen.

Besser spät als nie aber sollten vielmehr wir Skeptiker unsere eigenen falschen Erwartungen und Hoffnungen infrage stellen! Mir ist zwischenzeitlich ein neues Bild gekommen: Politik und Mainstream-Medien sind mit dem Ausrufen der Pandemie keinesfalls in eine Sackgasse abgebogen, sondern haben vielmehr eine mühsam erscheinende Auffahrt auf eine neue Autobahn gewählt. Mittlerweile geht die Fahrt in ziemlich hoher Geschwindigkeit Richtung Zukunft.

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