Akademische Unfreiheit

akademische-unfreiheit

05-02-21 03:12:00,

Die Zahl der Studierenden wächst stetig und hat inzwischen die Marke von vier Millionen erreicht, davon eine Million an Fachhochschulen (1). Fast 53 Prozent oder 420.000 Schüler und Schülerinnen des Abgangsjahrgangs 2019 haben die allgemeinbildenden Schulen mit der Hochschulreife abgeschlossen und könnten ein Studium beginnen (2). Gleichzeitig ist in diesem Jahr die Zahl der Neuanfänger mit 488.580 gegenüber dem letzten Studienjahr 2019/20 um 20.000 gesunken und hat schon im letzten Jahr stagniert. Eine Vermutung ist, dass ausländische Studierende nicht gekommen sind oder nicht kommen konnten (3).

Der trotzdem generelle Zuwachs an Studierendenzahlen hat also wohl eher mit einem längeren Verbleiben der bereits im Studium Befindlichen zu tun (4). Selbst diese Zahl hat ihre Tücken, denn auf der anderen Seite ist auch die Abbruchquote erheblich, wenn auch nicht erst seit gestern. Nach vergleichenden Berechnungen des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung (DZHW) der Absolventenjahrgänge 2018 und 2016 brachen 32 Prozent bei Bachelor- und 19 Prozent bei Masterstudiengängen ihr Hochschulstudium ab. Nur bei den Fachhochschulen ist die Quote niedriger (5).

Und warum brechen Studierende ihr Studium ab? Finanzielle Probleme stehen mit 19 Prozent an zweiter Stelle nach den Leistungsanforderungen (20 Prozent) (6). Viele Studierende können sich heute ein Studium nur unter Schwierigkeiten leisten und bringen sich mit Nebenjobs gerade so durch. 2019 arbeiteten 51,3 Prozent aller Studenten und Studentinnen während des Semesters und 63 Prozent während der Semesterferien in Nebenjobs mit bis zu 20 Stunden pro Woche, um ihr Studium zu finanzieren (7).

Wie dramatisch wird die finanzielle Lage am Ende dieses Studienjahres sein, weil die vielen Kellner-, Kneipen- und Aushilfsjobs ausgefallen sind?

Wie hoch werden die Abbruchquoten in diesem Jahr ausfallen, wenn auch noch die Regelstudienzeit verlängert wird? Interessiert das noch?

Und wie erst werden die ausländischen Studierenden mit der Lage fertig — ohne „Welcome“-Projekte, ohne intensive Beratung und Einführung in Lernkultur zu auftretenden Verständigungs- und Sprachproblemen und generell ohne familiäre Unterstützung zum Leben in einem fremden Land und Kulturkreis? Es studierten im Jahr 2018 immerhin 300.000 ausländische Studierende an deutschen Hochschulen, die sich seit Längerem mit englischsprachigen Masterstudiengängen auf sie eingestellt haben. Bei diesen sogenannten Bildungsausländern steht die prekäre finanzielle Situation nach der Sprache und Problemen einer anderen Lernkultur an dritter Stelle, die das Studium erschwert, und ist für 29 Prozent Abbruch im Masterstudiengang mitverantwortlich (8).

Der Bundesverband der ausländischen Studierenden schlägt Alarm: „Job weg,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: