Corona in Irland: Vom Musterknaben zum Menetekel?

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05-02-21 11:26:00,

Irland wurde in den letzten Monaten des Öfteren als Beispiel in Sachen Corona herangezogen. Anfang Dezember wurden nach einem vierwöchigen Lockdown auf modifizierter höchster Stufe einige Regionen in Irland vom Robert Koch-Institut nicht mehr als Risikogebiet eingestuft. Die Inzidenzen lagen dort unterhalb des Grenzwertes. Nach Lockerungen im Dezember zählten die Inzidenzwerte zu den „höchsten der Welt“ und deutsche Medien zeigen mit dem Finger auf Irland. Im täglichen Leben ist man viel in den eigenen vier Wänden oder Hecken und von diesen Extremen ist nicht so viel zu verspüren. Ein persönlicher Eindruck aus Irland von Moritz Müller.

Am irischen Nationalfeiertag St. Patricks Day am 17. März letzten Jahres hielt der damalige irische Taoiseoch (Häuptling=Premierminister) Leo Varadkar im Radio und Fernsehen eine Rede, die mich damals sehr bewegte. Er bereitete uns auf schwere Zeiten in der aufkommenden Seuche vor. Das Volk müsse zusammenstehen und wir würden bald alle Tote und Kranke kennen. Die jährlichen Paraden waren an diesem Tag abgesagt gewesen, Kneipen und Restaurants geschlossen und alle Schulen hatten ihre Schüler schon nach Hause geschickt. Der Unterricht ging dann erst Ende August/Anfang September weiter.

Einige Zeit später legten auch die Bauarbeiter ihre Werkzeuge nieder, alle nicht-essentiellen Geschäfte schlossen und es legte sich für einige Wochen eine gespenstische Stille über das Land. Aber es war auch eine Ruhe und der Himmel verlor seine Kondensstreifen. Täglich gab es alarmierende Nachrichten aus Krankenhäusern und Seniorenheimen, aber es kam nicht zum Kollaps des gesamten Gesundheitswesens.

In diesen Monaten setzte auch der bargeldlose Zahlungsverkehr zu immer neuen Höhenflügen an. Es gab aber auch schnell vergleichsweise ordentliche finanzielle Unterstützung. Jeder, der irgendwie nachweisen konnte, am Stichtag in ordentlicher Beschäftigung gestanden zu haben, bekam entweder 200 oder 350 Euro die Woche. Vor ein paar Tagen hörte ich im Radio, dass von den fünf Millionen Einwohnern Irlands 375.000 Menschen diese Zahlungen beziehen. Da kommt bei vielen erst einmal keine existenzielle Panik auf.

In den ersten Monaten starben in Irland im Zusammenhang mit Corona, wie es hier mittlerweile genannt wird, ca. 1.600 Menschen, während die Übersterblichkeit von März bis September auf zwischen 876 und 1.192 Todesfälle geschätzt wird. Im Mai und Juni nahm dann auch die Zahl der positiven Tests rapide ab, was aber auch daran lag, dass weniger Tests vorgenommen wurden, wie damals nebenbei bemerkt wurde.

Daraufhin machten dann Schritt für Schritt,

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