Das Erwachen der Lämmer

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06-02-21 12:48:00,

Unsere Medienlandschaft leidet seit vielen Jahrzehnten an einer deutlichen Abhängigkeit zu wirtschaftlichen und politischen Machtstrukturen. Bestimmte Themen werden bis zum Umfallen beschrieben und gesendet, andere Fragen schlichtweg ausgeblendet. Führende Köpfe in unseren Medienhäusern tummeln sich in einflussreichen transatlantischen Clubs, und wer dann dort als Journalist Karriere machen will, weiß bald intuitiv, welche Geschichten gut ankommen — und welche eben nicht (1).

Der Meinungskorridor wird damit immer enger. Vor gut zehn Jahren ging es noch ein wenig lebendiger zu als heute.

Der damals 86-jährige Peter Scholl-Latour rief 2009 in einem Phoenix-Talk über den 11. September aus: „Es ist doch alles gelogen, was dort gewesen ist!“ Auf den Einwand des SPDlers Gert Weisskirchen, dann habe ja der ganze Weltsicherheitsrat gelogen, entgegnete er spontan: „Ja tut er doch dauernd! Tut er doch! Wie naiv sind Sie denn!“ Das war auch 2009 eine große Ausnahme.

Wo bekommt man so etwas heutzutage zu hören? Die zunehmende Verengung des Debattenraums in Politik und etablierten Medien seit über dreißig Jahren blieb von vielen von uns — leider — unbemerkt, ebenso das Verschwinden inspirierender Intellektueller und Künstler von der Bildfläche. Aktuell wandelt sich die Medienlandschaft rasant. Während die Zensur auch das Internet erfasst hat, wird zugleich immer mehr Menschen bewusst, dass freie Meinungsäußerung, Forschung und Diskurs zur Demokratie gehören. Unabhängige Wissenschaftler und Autoren, die einem gängigen politischen Narrativ widersprechen, kommen in den etablierten Medien selten zu Wort, auch wenn sie Spiegel-Bestseller schreiben, und wenn doch, dann läuft leider oft irgendetwas schief — wie wir hier am Beispiel eines Artikels über den Historiker Daniele Ganser in der NZZ sehen werden.

Der Kognitionsforscher Rainer Mausfeld schildert die verschiedenen Methoden der Beeinflussung unserer Medien durch die mächtigen Eliten und Profiteure präzise und eindrucksvoll in „Die Angst der Machteliten vor dem Volk: Demokratie-Management durch Soft-Power-Techniken“, dem zweiten Kapitel seines Buchs „Warum schweigen die Lämmer?“ (2). Mausfeld geht hier davon aus, dass „die Machteliten nichts mehr fürchten als den mündigen Bürger“, was er mit historischen Äußerungen belegt (3).

Wer Macht hat, will sie behalten. Um den Freiheitsdrang zu unterbinden, werde daher ein Weltbild von rational denkenden, weisen Eliten einerseits und unmündigen Bürgern andererseits etabliert, welches dann von der Bevölkerung weitgehend verinnerlicht werde:

„Nun muss man diese Unterscheidung nur noch in solcher Weise mit vorgeblichen Eigenschaften der ‚Elite‘ und des ‚Volkes‘ beziehungsweise der ‚Massen‘ auffüllen,

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