Der Dreisprung der Resilienz

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06-02-21 12:42:00,

Mai 2017. Der ganze Affentanz begann mit einem widerlich lauten Knacken im linken Knie nach einem intensiven Liegestütztraining. Ich wollte aufstehen, doch sackte zusammen wie ein lädierter Preisboxer nach einem kassierten Lucky Punch. Diagnose? Meniskusriss! Oder wie mein Chirurg mit einem Seitenblick auf die Magnetresonanztomographie ganz unverblümt bemerkte: Kolbenfresser-Knie!

Was war geschehen? Hatte ich nicht in den letzten vier Dekaden von Kindesbeinen an meinen Körper fit gehalten? Wie viele tausend Kilometer bin ich schon geradelt! Und hatte bis zum Abitur zehn Jahre Vereinsfußball gespielt. Raucher war ich nie. Übergewicht? Kein einziges Gramm, seit ich denken kann. Süchte, Drogen? Keine Spur.

Und jetzt das. Mitte vierzig und total kaputt aus heiterem Himmel. Wie jetzt noch Treppensteigen? Und warum fressen und saufen sich andere fette Plauzen an und haben gar nichts? Quarzen Kette wie die Schlote und werden steinalt. Warum ich? Wieso jetzt? Was will mein Körper mir sagen? Leg dich hin zum Sterben, Alter? Und was sollte überhaupt diese blöde Fragerei? Nennt man das Arthrose-Blues?

Auch als Geisteswissenschaftler habe ich gelernt: Du hast ein Symptom? Frage nach den Ursachen! Suche die Kausalität hinter jeder Wirkung! Immer. Überall. In jeder Lebenslage. Mein Instinkt sagte mir sofort: Schulmediziner werden dir nicht helfen. Kurieren nur Symptome. Schneiden auf, schneiden weg, nähen zu, kassieren ab. Kennt man ja (1).

Schmerzen im Gelenk? Da hätten wir was. Aus Titan. Hält aber auch nicht ewig. Echt jetzt? Implantierter Stahl kann Schmerzen heilen? Wer glaubt denn diesen Scheiß? Jedes Jahr eine Viertelmillion Knie-Operationen in deutschen Kliniken. Die meisten davon völlig überflüssig. Eine einzige Arthrose-Mafia (2).

Ich sitze also zu Hause mit kaputtem Knie und fange an, im Netz zu recherchieren. Sehe einen Schmalhans in komplett weißer Montur von sich sagen, sinngemäß:

Ich bin Ingenieur und Kampfsportler und übrigens: Arthrose gibt es nicht. Jedenfalls nicht so, wie euch das die Ärzte sagen. Ich dagegen sage: Eure Muskeln und Faszien sind zu kurz, weil ihr viel zu viel auf euren Ärschen hockt. Nutzt doch mal die ganzen Winkel! Nehmt da mal die Spannung raus. Dehnt euch. Und zwar so: zwei Minuten mindestens, rein in den Schmerz bei jedem Ausatmen, auf der Skala eins bis zehn die acht …

Ich bin sofort gefesselt, pausiere das Video. Wie heißt der Typ? Roland Liebscher. Nie gehört. Und ich denke: Entweder ist der Mann ein durchgeknallter Spinner oder ein Genie.

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