Die totalitäre Erniedrigung des Menschen

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06-02-21 12:37:00,

Der freie, sich selbst bestimmende Mensch, Zentrum der Demokratie, wird nun wieder total von außen bestimmt. In einem Staatstreich von oben haben ihn die Herrschenden vom Ich-Träger zum gefährlichen Virus-Träger, vom wollenden Subjekt zum willenlosen Objekt degradiert, das sich dem Willen der politischen und wissenschaftlichen Autoritäten bei Strafe zu fügen hat. Wann war der die Herde einhegende, den Einzelnen zugleich isolierende und mit Polizisten umkreisende Totalitarismus so total?

Man muss sich zunächst, unabhängig von der Situation der Corona-Krankheit, klar machen, was der Mensch eigentlich ist, was ihn in seinem Wesen ausmacht, um voll erfassen zu können, was die ungeheuren Eingriffe des Staates in seine Autonomie objektiv bedeuten und ob sie je gerechtfertigt werden können.

Das Ich

Das geistige Wesen des Menschen, auf das er mit dem Wort ICH hindeutet, ist ein Agens, ein sich Selbst-Bewegendes, von innen Wirkendes und sich Selbst-Bestimmendes. Diese unabhängig von allem Äußeren in sich zentrierte Potenz kommt schon in dem Umstand zum Ausdruck, dass sich das Wort „Ich“ von allen anderen Worten dadurch unterscheidet, dass es niemals von außen an mich herandringen kann, um mich zu bezeichnen; es kann dazu nur von mir selbst verwendet werden. Einen Baum, einen Ochsen oder Virologen kann jeder Mensch Baum, Ochse oder Virologe nennen, jeder kann auch mit meinem äußeren bürgerlichen Namen auf mich hindeuten, mein innerstes Wesen aber kann nur ich mit dem Wort „Ich“ bezeichnen. Dem Ich, dem innersten geistigen Wesen des Menschen, kann sein Name von keinem Äußeren zugerufen werden, weil es von allem Äußeren unabhängig in sich selbst gegründet ist. – Geistig-religiös gesprochen: Der Mensch ist ein Ebenbild der Gottheit.

In einer 5. Klasse, in der häufig Studenten der nahen Hochschule hospitierten und einzelne Unterrichtsstunden übernahmen, hatte ihr Lehrer die Schüler gebeten, kleine Schildchen mit ihrem Vor- und Zunamen vor sich hinzustellen, damit die Studenten sie jeweils mit ihrem Namen ansprechen konnten. Wenn man im Unterricht an ihnen vorbei ging, sah man bei vielen, dass sie auf der hinteren, ihnen zugewandten Seite des Namensschildchens geschrieben hatten: „ICH“, bei einigen stand: „ICH bin ICH“. Sie hatten die deutliche Empfindung, dass ihr Name vorne nur ihre Außenseite, ihre äußere Persönlichkeit bezeichnete, ihr innerstes Wesen aber nur von ihnen selbst ausgesprochen werden konnte.

Ein Ich, das von außen geschoben oder gezogen wird, ist noch keins, es ist noch nicht voll anwesend.

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