Protestnoten

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06-02-21 12:49:00,

Hinterm Horizont geht es nicht mehr weiter. Jedenfalls nicht, wenn man der Aussage der Schauspielerin und Sängerin Nina Proll folgt. „Ich sehe da keine Perspektive für nächstes Jahr“, sagte Proll in einer Talkshow der Plattform Respekt am 23. Dezember 2020. Gefragt wurde nach den Aussichten der Kulturszene für das Jahr 2021.

„Letztlich hab ich schon die Sorge, dass hier irgendwas kaputt geht. Die, die immer in der oberen Liga gespielt haben, die schaffen‘s jetzt auch. Aber die vielen Menschen, die darunter tätig waren, die stehen vor dem Nichts. Die werden es auch nicht schaffen.“

Und sie beklagt die Allmacht der politischen Entscheider. „Es reicht eine Pressekonferenz, und die gesamten Säle sind leer.“ Erschreckend auch, was Nina Proll über das fast allgegenwärtige Schweigen der Künstlerinnen und Künstler zur Corona-Frage sagt:

„Wenn du mit Intendanten, Regisseuren oder Produzenten sprichst, dann merkst du, dass die das im persönlichen Gespräch genauso kritisch sehen, aber nie öffentlich Stellung nehmen würden, weil sie einfach abhängig sind von öffentlichen Geldern.“

Der Opernsänger Günther Groissböck nimmt in derselben Talkshow auch das viel zu passive Kulturpublikum ins Visier.

„Leider gibt‘s zu wenig geordneten Widerstand. Das Publikum muss man ein bisschen aufstacheln und sagen: Ihr seid der Konsument. Wenn ihr euch mit allem zufriedengebt — Stream ist fad, aber besser als nix — dann wird das auch so bleiben. Die Regierung reagiert nur auf Druck.“

Und Roland Dühringer, streitbarer österreichischer Kabarettist:

„Künstler stecken in Abhängigkeitsverhältnissen. Wenn‘s nicht monetäre Abhängigkeiten sind, dann ist es die Abhängigkeit von den Zuschauern. Du darfst es dir nicht mit den Geldgebern verscherzen, du darfst es dir aber auch nicht mit dem Publikum verscherzen. Wenn das Publikum dem Narrativ, das grad erzählt wird, folgt, dann kann es passieren, dass sie dich nicht mehr liebhaben. Und wenn sie dich nicht mehr liebhaben, dann kommen sie nicht mehr und zahlen auch kein Geld mehr.“

Zweifellos war die vorweihnachtliche Zusammenkunft kritischer Künstlerinnen und Künstler ein Highlight, zumal nicht nur ein einziger „Quotennörgler“ eingeladen war — alle Anwesenden waren kluge Köpfe, die weltanschaulich bewusst gegen den Strom schwammen. Ein absolutes Kontrastprogramm zu üblichen Sendungen der Art „Corona-Linientreue unter sich“, in denen sich Dauergäste wie Melanie Brinkmann, Karl Lauterbach und Jens Spahn gegenseitig die Bälle zuwerfen.

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