Wie Bildausschnitte uns manipulieren können

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06-02-21 12:42:00,

Abbildung aus der Wechselausstellung des Hauses der Geschichte in Bonn unter dem Titel “X für U. Bilder, die lügen”. Aus dem Buch “Medienanalyse”, Westendverlag

Wie die Aussage von Abbildungen durch Platzierung und Auswahl verändert werden kann – und was das für Journalisten und Mediennutzer bedeutet

Medien umgeben uns täglich mit massenhafter Information und Unterhaltung, Qualität und Trash. Die Medienöffentlichkeit stellt den zentralen Diskursraum einer Demokratie dar. So sollte es sein, aber beobachtbar sind immer mehr, teils abgeschottete Diskursräume. Alle werben um Zustimmung und werden dabei auch mal schrill oder manipulativ.

Wissenschaftliche Studien zeigen, wie um Glaubwürdigkeit gerungen wird. Tatsächlich stützen auch solche Nutzerstudien immer wieder Aufforderungen, diesen oder jenen Informationsanbietern zu glauben und bestimmten anderen nicht – per se sozusagen.

Sabine Schiffer geht hier einen dezidiert anderen Weg und warnt davor, Medienkonsum und Medienkritik zum Glaubensgrundsatz zu machen. In ihrem soeben erschienen Lehrbuch zur kritischen „Medienanalyse“ zeigt sie auf, wie jeder einzelne Medienbeitrag auf Herz und Nieren geprüft werden kann. Mit ihrem Werkzeugkasten an Prüfkriterien schafft sie einen Kriterienkatalog, der dem Doppelmaß den Kampf ansagt.

Die Methoden bleiben nicht abstrakt, sondern werden an Beispielen aus der Berichterstattung anschaulich und nachvollziehbar. Der folgende Auszug zur Bildanalyse bietet einen Einblick in das Buch.

Aus der Augenbewegungs- und Werbeforschung ist bekannt, dass wir alle zuerst die bildlichen Darstellungen sehen, im hiesigen Kulturkreis mit einer Schrift von links nach rechts zwar links den “Anfang” vermuten, aber unser Blick zunächst auf die rechte Seite eines aufgeschlagenen Printprodukts fällt, und dass wir die obere Hälfte einer Seite für wichtiger halten als die untere. Deshalb ist die Frage der Platzierung einzelner Beitragselemente entscheidend für die Wahrnehmungsreihenfolge und damit für die potentielle Wirkung.

Vergleichbares gilt für die Ausstrahlzeiten im analogen TV- oder Radioprogramm, wo es die sogenannte “Prime Time” gibt, in der die Kosten für Werbeschaltungen höher sind als zu anderen Zeiten, weil sie messbar mehr Menschen erreichen. Die Aufmerksamkeits-Relevanz steht also an erster Stelle im Fokus der Untersuchung von Sendern und Sendezeiten, von Titelseiten über Umschlagsseiten bis hin zum Innenteil von Printprodukten. Im Internet gibt es noch einmal andere Aufmerksamkeitsmarker, wozu schließlich noch die Algorithmen zählen werden.

Inwiefern wir uns als Mediennutzer einer ersten Hypothesenbildung über Inhalte und Zusammenhänge aufgrund der Komposition (Montage) separater Beitragselemente bewusst sind, kann hier nicht erörtert werden.

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