Schweiz und Deutschland: Situationsupdate

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07-02-21 10:23:00, Genf: Antikörper im Juli und Dezember 2020 nach Altersgruppe (Stringhini)

Publiziert: 7. Februar 2021

(German only; covering Switzerland/Germany)
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Im Schweizer Kanton Genf, der zeitweise zu den europäischen Corona-Hotspots zählte, lag die Antikörper-Seroprävalenz im Dezember bei insgesamt 21%. In der Hauptrisikogruppe 75+ lag die Seroprävalenz jedoch erst bei 9.3%. Einerseits ist das ein Erfolg – ein gewisser (Selbst-)Schutz gelang offenbar – andererseits aber ein Risiko: Rund 90% der Senioren über 75 hatten noch keinen Kontakt mit dem Coronavirus – obschon Antikörperstudien die wirkliche Verbreitung oft etwas unterschätzen und Pflegeheime vermutlich nicht berücksichtigt wurden.

In Deutschland lag die Seroprävalenz nach der schwachen ersten Welle noch bei unter 2%. Aktuell dürfte sie bei etwa 10% liegen, bei Senioren über 75 aber vermutlich erst im unteren einstelligen Prozentbereich (Pflegeheime ausgenommen). Aus dem Fakt, dass es in Deutschland 2020 keine signifikante Jahresübersterblichkeit gab, darf deshalb nicht auf eine ‘entspannte Situation’ geschlossen werden. Tatsächlich erreichte die Sterblichkeit in den Monaten November bis Januar bereits Rekordwerte wie seit der Grippepandemie von 1968 nicht mehr.

Da die Coronaviren-Saison erst im April enden wird, bleiben evidenzbasierte Prophylaxe und Frühbehandlung sowie eine erfolgreiche Impfkampagne – zu den Risiken siehe hier – wichtig. Der Altersmedian der Corona-Todesfälle liegt in Deutschland bei 84, in der Schweiz bei 86 Jahren. In den Altersgruppen unter 70 Jahren besteht keine Übersterblichkeit; das Hauptrisiko besteht hier in post-akutem Long Covid, das in schweren Fällen auch bei jungen Menschen zur Berufsunfähigkeit führen kann und ein sehr ernsthaftes Public-Health-Problem darstellt.

Die sogenannte “No Covid”-Bewegung hat sich als Vorbild derweil ausgerechnet die australische Stadt Melbourne gewählt, einer der wohl größten Misserfolge der gesamten Pandemie: Nach gescheiterter Grenzkontrolle folgte dort ein monatelanger, albtraumhafter Lockdown mit drohnen­über­wachter 23-Stunden-Ausgangssperre und 5-Kilometer-Bewegungsradius. Dass dort nun, im Sommer, wieder Außenanlässe stattfinden, ist nicht überraschend: auch in Deutschland gab es im August, bekanntlich, “Freiluftveranstaltungen” mit zehntausenden Teilnehmern.

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