Ein statistischer Blick auf die Übersterblichkeit in Zeiten von Corona

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09-02-21 10:52:00,

Noch nie war das Interesse der Menschen für abstrakte statistische Kennzahlen so groß wie während des Coronageschehens im letzten Jahr. Meldungen über Kriege, Hungersnöte und Wirtschaftskrisen gerieten zu Randnotizen angesichts der sich weltweit ausbreitenden Coronaviren. In Nachrichtensendungen dominierten Graphiken und Statistiken zum Infektionsgeschehen und das Publikum verfolgte gebannt die Entwicklung der R-Werte, der Inzidenzen und der Übersterblichkeit. Das Statistische Bundesamt trug dem wachsenden Interesse Rechnung, indem es wöchentlich eine „Sonderauswertung zu Sterbefallzahlen“ veröffentlichte. Am 29. Januar 2021 hat die Statistikbehörde die noch ausstehenden letzten Sterbezahlen für das Jahr 2020 nachgereicht, so dass jetzt eine abschließende Beurteilung des Ausmaßes der Übersterblichkeit möglich ist. Von Günter Eder[*].

Die Tagesschauredaktion nahm dies zum Anlass, auf ihrer Internetseite ausgewählte Ergebnisse aus der Sonderauswertung in einem längeren Artikel zu präsentieren. Als Titel wählte sie die Überschrift „So viele Todesfälle wie zuletzt vor 50 Jahren“. Die Aussage ist politisch vermutlich korrekt, faktisch aber eigentlich nicht. Im Textteil erfährt man, wie der Titel tatsächlich gemeint ist: „Im Dezember sind in Deutschland so viele Menschen gestorben wie seit rund 50 Jahren nicht mehr.“ Solche Verkürzungen oder Übertreibungen sind in Verbindung mit der Coronaberichterstattung leider keine Ausnahme, sondern eher die Regel, und bei weitem nicht immer so moderat.

Das Statistische Bundesamt beziffert die Zahl der im Jahr 2020 Verstorbenen auf insgesamt 982.489. In der Pressemitteilung Nr. 044 wird ausgeführt, dass die Zahl der Sterbefälle im Vergleich zum Vorjahr „damit um mindestens 42.969 oder 5% gestiegen“ ist. Auch hier wird der Prozentwert übertrieben, zwar nur geringfügig, aber vermutlich nicht zufällig. Tatsächlich entspricht der Zuwachs von 939.520 Verstorbenen (2019) auf 982.489 Verstorbene (2020) einem Anstieg um 4,6%.

Anschließend führt das Statistische Bundesamt aus, dass der angegebene Prozentwert von 5% eigentlich zu hoch sei und bei korrekter Rechenweise um 1 bis 2 Prozentpunkte nach unten korrigiert werden müsste. Die verbale Erläuterung dieses Sachverhalts ist für einen Laien allerdings nicht unbedingt leicht nachzuvollziehen und zu verstehen.

„Dieser Anstieg ist zum Teil auf kalendarische sowie demographische Aspekte zurückzuführen: 2020 war ein Schaltjahr, sodass sich durch den zusätzlichen Tag ein Anstieg um etwa 3.000 Fälle gegenüber dem Vorjahr ergibt. Wenn man außerdem den bisherigen Trend zu einer steigenden Lebenserwartung und die absehbaren Verschiebungen in der Altersstruktur der Bevölkerung berücksichtigt, wäre ohne Sonderentwicklungen ein Anstieg um etwa 1 bis 2% für das Jahr 2020 zu erwarten gewesen.“

Aus dem Gesagten lässt sich der Schluss ziehen,

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