Experten auf Tauchgang

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09-02-21 11:06:00,

Die Welt hat sich verändert. Diese Veränderung nimmt der Mensch als „neue Normalität“ unmittelbar zur Kenntnis. Auch die wissenschaftliche Disziplin, der ich als Student angehöre, hat diesen allgemeinen Wandel registriert. Die Rede ist von der Soziologie, einem Teilbereich der Sozialwissenschaften. Ihr Ausgangspunkt ist der Mensch, dessen individuelle und gesellschaftliche Verhaltensweisen sowie Fehlentwicklungen beobachtet und gedeutet werden.

Gerade in dieser außerordentlichen Zeit fällt der soziologischen Forschung sehr viel Arbeit zu. Doch die Vorgehensweise ist die gleiche geblieben. Kaum anders als sonst, muss die Soziologie ihre vielfältigen Grundbegriffe und Methoden einsetzen, um neue Erkenntnisse zu liefern. Verfolgt man die aktuellen soziologischen Untersuchungen und öffentlichen Aussagen, dann wird einem schnell bewusst, dass die Corona-Thematik überwiegt.

Doch eine Empfindung lässt mich angesichts der derzeitigen soziologischen Öffentlichkeitsarbeit nicht los: Etwas Elementares fehlt. Irgendetwas innerhalb der Soziologie ist anders. Obgleich die üblichen soziologischen Deutungsmuster vorhanden sind, mangelt es am Wesentlichen; ein essenzielles Charakteristikum hat sich in Luft aufgelöst:

Denn wo sind die Verantwortungsträger aus der Soziologie, die mit Argusaugen einen kritischen Blick auf die Kehrseite gesellschaftlicher Entwicklungsprozesse werfen? Wo ist das ständige Hinterfragen, wo findet man die kausalen Zusammenhänge und Schlussfolgerungen? Wo sind die Zeitdiagnostiker, die auf das Gefahrenpotenzial von machtgierigen Eliten, korrupten Konzernen und technokratischen Ideologien aufmerksam machen? Kurz: Die Welt der Gesellschaftswissenschaften ist wie gelähmt. Soziologen, kritische Theoretiker, eine ganze Wissenschaft leidet an einer Krankheit: Es ist die Selbstverleugnung.

Freilich ist heutzutage Kritik an der Corona-Politik nicht willkommen. Die massenmediale und politische Schelte gegen Andersdenkende ist gnadenlos. In ihrer Neujahrsrede nennt die Bundeskanzlerin sie Verschwörungstheoretiker und Leugner. Der hinterfragende Mensch wird öffentlich gebrandmarkt — man denke an all die Mediziner, Mikrobiologen, Anwälte, Journalisten, Musiker, Fußballer und so fort. Ist das Zusammenspiel von Freiheit und kritischem Denken nicht eine Grundvoraussetzung in einer Demokratie? Ist diese fatale Entwicklung nicht alarmierend und ein Fall für die Soziologie?

Doch auch die Universitäten haben sich den Bedingungen der „neuen Normalität“ untergeordnet. Masken, Distanz – sogar die Anzahl der Personen, die sich auf dem Universitätsgelände unterhalten, ist auf zwei Haushalte begrenzt. Skeptischer Meinungsaustausch über die Corona-Politik soll vermieden werden. Kritische Überlegungen, ein demokratisches Gut, werden gleichgesetzt mit rechter Verschwörungsideologie. Paradoxerweise befinden sich in der Universitätsbibliothek unzählige kritische Publikationen über Akteure und Konzerne, die in der Corona-Politik großen Einfluss ausüben.

Und wieder hat sich die Bundeskanzlerin kürzlich zu Wort gemeldet.

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