Gehört das Wort Mob zu Ihrem Sprachschatz? Ist es ein Wort, das unter Demokraten gebraucht werden kann? (Nr.2.)

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09-02-21 10:04:00,

Wahrscheinlich wird das Wort „Mob“ nur von einer Minderheit genutzt. Aber es fällt auf, wie oft in letzter Zeit davon Gebrauch gemacht wird. Zum Beispiel als eine große Zahl von Trump-Anhängern das Kapitol besetzte. Frau von der Leyen nutzte das Wort in ihrem diesjährigen Beitrag zur virtuellen WEF-Sitzung in Davos. Siehe hier. Auch in einem Spiegel-Beitrag zur Besetzung des Kapitols taucht das Wort auf (Minute 0:12). Bundespräsident Steinmeier spricht hier von „bewaffnetem Mob“. Die Bild-Zeitung gebraucht das Wort in Bezug auf den „Sturm“ von Demonstranten auf die Treppen des Reichstags am 1. August 2020. Es wird dabei auch mit den Querdenkern verbunden. Auch im Artikel eines Friedensaktivisten und NDS-Autors tauchte das Wort auf. Diese auffallende Häufung und Mischung hat mich dazu veranlasst, die im Titel aufgeworfene Frage zu stellen. Nach meinem Empfinden hat dieser Begriff im Gedankenaustausch und im Streit unter Demokraten nichts zu suchen. Albrecht Müller.

Zunächst will ich noch auf weitere Beispiele für den Gebrauch aufmerksam machen:

  • Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hat vor einer Radikalisierung der sogenannten Querdenker-Szene gewarnt.
    “Auch wenn die Umfragewerte der AfD sinken, besteht die Gefahr, dass sich aus ihrem Umfeld heraus in Deutschland ein Corona-Mob oder eine Art Corona-RAF bilden könnte, die zunehmend aggressiver und sogar gewalttätig werden könnte”, sagte Söder im Interview mit der “Welt am Sonntag”.
  • Die Querdenker werden auch hier mit dem Begriff Mob verbunden. So heißt es zum Beispiel in diesem Beitrag:

    „Menschen mit Auschwitz-Pullovern und Fellmütze mit Hörnern, die das US Kapitol erstürmen, die Büros der Abgeordneten und Senatoren durchwühlen und Inventar stehlen: Die Bilder vom Mob in Washington D.C. machen fassungslos. Sie erinnern aber gleichzeitig daran, erst vor kurzem auch in Deutschland Anhänger der Querdenker-Bewegung versucht haben, den Reichstag in Berlin zu erstürmen.“

  • Zur Kennzeichnung von Pegida wurde der Begriff auch benutzt: Hier zum Beispiel, oder hier:

  • Offenbar wurden 2015 auch die Gegner von Pegida mit dem Etikett „Mob“ versehen. So sieht es jedenfalls die Berliner Morgenpost. Siehe hier.

Das Etikett Mob wird also freimütig verteilt und angeheftet. Das ist erstaunlich.

Es ist erstaunlich, weil in einer demokratischen Gesellschaft die mit dem Gebrauch verbundene herablassende Art des Umgangs miteinander eigentlich ausgeschlossen sein sollte.

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