Ja sind wir denn verrückt geworden?

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11-02-21 11:34:00,

Die NachDenkSeiten haben stets vor den Kollateralschäden rigider Lockdowns gewarnt und gleichzeitig den mangelnden Schutz der Risikogruppen, insbesondere in den Alten- und Pflegeheimen, kritisiert. Ein geradezu erschreckendes Beispiel dafür, was in diesem Lande in Sachen Corona schiefläuft, lässt sich derzeit in meiner Heimat dem Landkreis Goslar beobachten. Seit Beginn des Winters hat sich die Zahl der coronabedingten Todesfälle hier fast verdreifacht – maßgeblich verantwortlich dafür waren Massenausbrüche in Altenheimen. Dort existieren zwar Hygiene- und Schutzkonzepte auf dem Papier, jedoch wird deren Einhaltung offenbar nicht kontrolliert. Das ist „verständlich“, hat das hiesige Ordnungsamt doch viel wichtigere Dinge zu tun – z.B. die Einhaltung der Maskenpflicht beim Rodeln mit aller Schärfe zu kontrollieren. Man weiß nicht, ob man da bitter lachen oder weinen soll. Offenbar ist unsere Gesellschaft verrückt geworden. Von Jens Berger.

Einen so schönen Winter wie in diesem Jahr gab es seit ungefähr zehn Jahren nicht. Der gesamte Harz ist reich mit Schnee bedeckt und wenn die Wolken der Sonne einmal Raum lassen, gleicht das Mittelgebirge einem winterlichen Traum. Dumm nur, dass der seit Jahren arg gebeutelte Fremdenverkehr davon nicht profitieren kann. „Wir haben Corona“. Hotels und Gastronomiebetriebe sind geschlossen, Lifte stehen still. Während sonst die lokalen Wirtschaftsverbände samt ihres politischen Arms vor lauter Freude juchzen, wenn sich der Verkehr auf den Zufahrtsstraßen schon früh morgens staut, werden die Tagestouristen aus dem Umland in diesem Jahr wie eine Heuschreckenplage wahrgenommen. Zynisch könnte man sagen: So funktioniert er, der Kapitalismus. Wenn der Tourist Geld in der Region lässt, ist er stets gern gesehen; kommt er nur hierher, um die Natur zu genießen und Spaß zu haben, soll er doch lieber bleiben, wo der Pfeffer wächst. Von „Vergnügungssucht“ ist in den lokalen Foren zu lesen. Dies sei unverantwortlich! Gerade in Zeiten von Corona!

Wer so spricht, hat leicht reden. Im Häuschen im Grünen mit der Natur vor der eigenen Haustür hat man offenbar einen anderen Blick auf die Welt. Und Empathie hat in diesen Zeiten sicher keine Konjunktur. Wer in einer kleinen Mietwohnung in Braunschweig, Salzgitter, Hildesheim, Wolfsburg oder Hannover – dem klassischen Einzugsgebiet des Tagestourismus im Harz – lebt, sieht dies sicher anders; vor allem dann, wenn man seit Monaten in den eigenen vier Wänden eingesperrt und in der Freizeitgestaltung beschnitten ist und den vom Homeschooling genervten Kindern die Decke auf den Kopf fällt. Was liegt da näher,

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