Ungeliebte Freunde

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13-02-21 02:17:00,

Für jeden ist es irgendwann das erste Mal. Und für die meisten ist es zunächst ein Schock. Ich selbst war fast 50 Jahre alt, bevor ich meinen ersten Nazi-Vergleich erntete. Als ich in einem Webmagazin, für das ich arbeitete, einen Artikel über die Nachteile der Fleischernährung postete, machte mich ein besonders eifriger „antifaschistischer“ Autor darauf aufmerksam, dass Adolf Hitler Vegetarier gewesen ist. Nun, das war mir nicht neu. Ich wusste aber auch nicht so genau, was ich mit dieser Information hätte anfangen sollen. Meine geliebten Bratkartoffeln mit Zwiebeln durch eine Schlachtplatte mit Blut- und Leberwurst ersetzen? Hätte ich so beweisen können, dass ich meine Lektion aus dem verhängnisvollsten Abschnitt deutscher Geschichte gelernt hatte?

Mit manchen Antifaschisten komme ich nicht gut zurecht. Ehrlich gesagt, sind sie mir zu rechts. Einmal werden mit Nazi-Vergleichen die Schlachthöfe und ihr blutiges Geschäft tapfer gegen Kritiker verteidigt, ein andermal die zinsbasierte Finanzwirtschaft gegen jene, die für sozialen Ausgleich plädieren — und in jüngster Zeit sind natürlich nicht jene, die unter Berufung auf Corona einen zunehmend autoritären Zwangsstaat errichten, „rechts“ — sondern paradoxerweise: deren Gegner. Verkehrte Welt. Man wird den Verdacht nicht los, dass sich hier Menschen in Symbole und Reizworte verbeißen, um davon abzulenken, wie nahe sie selbst bereits den modernen Spielarten der Unmenschlichkeit stehen.

Speziell viele „Rote“ geben willig argumentativen Geleitschutz beim Marsch in eine tiefschwarze, autoritäre Gesellschaft, der durchaus in eine voll entwickelte Diktatur abgleiten kann.

Noch ein Beispiel — es mag niemanden mehr überraschen bei einem Autor, der schon einmal ein Tofurezept von Attila Hildmann ausprobiert hat: Die Nazis hatten sehr gute Tierschutzgesetze. Ehrlich wahr, keine Ironie. Ich war selbst überrascht darüber und keineswegs erfreut. Denn jeder wünscht sich doch eine geordnete Welt, in der Schwarz und Weiß sorgfältig voneinander geschieden sind? Aber es scheint zu stimmen. Claus Hant beschreibt in seiner neuen Biografie „Hitler — Die wenig bekannten Fakten“ eine Strafrechtsnovelle vom 26. Mai 1933, die unter anderem regelte, wie „unnötige Aufregung und Schmerzen“ bei der Schlachtung von Tieren vermieden werden könnten. Hant berichtet:

„Ohne vorherige Debatte ließ Hitler am 24. November 1933 vom Reichstag das Reichstierschutzgesetz verabschieden. Dieses erste deutsche Tierschutzgesetz räumte den Tieren in Deutschland mehr Rechte ein als in jedem anderen Land.“

Hermann Göring sagte in einer Radioansprache:

„Für den deutschen Menschen sind die Tiere nicht nur Lebewesen im organischen Sinn,

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