Die Navalny-Proteste vom Sonntag und was der Spiegel daraus macht | Anti-Spiegel

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15-02-21 05:39:00,

Am Sonntag hat Navalnys Mannschaft zu kreativen Protesten aufgerufen: Die Leute sollten als Zeichen des Protests abends die Taschenlampen ihrer Handys einschalten und in kleinen Gruppen durch die Städte marschieren. Das ist gefloppt, aber im Spiegel klingt es natürlich ganz anders.

Nachdem das Navalny-Team aufgehört hat, zu “Massenprotesten” zu rufen (wohl auch, weil die Teilnehmerzahlen beim zweiten Protest so gering waren), hat man für den Valentinstag dazu aufgerufen, als Zeichen der Solidarität mit Navalny auf den Straßen die Taschenlampen der Handys einzuschalten. Wenn das kleine Gruppen machen, verstößt gegen keinerlei Versammlungsverbot, hätte aber sicher in der Dunkelheit ein sehr schönes Bild geliefert.

Ich war am Sonntagabend in Petersburg unterwegs. Zuerst war ich mit meinem Hund Gassi, danach bin ich mit dem Taxi zu Freunden gefahren, die auf den Nevsky wohnen, der zentralen Straße mitten im Zentrum von Petersburg, wo abends immer viele Menschen unterwegs sind. Ich habe aber nicht eine einzige solche Taschenlampe gesehen. Die Resonanz war also offenbar sehr gering.

Das aber sollen Spiegel-Leser nicht erfahren. Aber man kann es in dem Spiegel-Artikel zwischen den Zeilen trotzdem lesen. In dem Artikel mit der Überschrift “Putin genervt – Nawalny-Unterstützer protestieren mit Herz und Taschenlampe” kann man zum Beispiel lesen:

“Fotos aus Moskau und Sankt Petersburg zeigten Menschen mit Handytaschenlampen in der Hand, die in kleinen Gruppen durchs Stadtzentrum spazierten oder sich einfach in ihre Hinterhöfe stellten.”

In der Tat sind auf den Fotos nur sehr kleine Gruppen zu sehen und da ich selbst nicht eine solche Gruppe gesehen habe, wird das auch den Leuten im Spiegel-Büro in Moskau so ergangen sein. Daher konnten sie offenbar keine eigenen Fotos davon in dem Artikel bringen, sondern berichten stattdessen über Fotos, die Teilnehmer der Taschenlampen-Proteste online gestellt haben.

Der Spiegel-Artikel begann mit folgender Einleitung:

“Am Valentinstag haben Menschen in Russland gegen die Inhaftierung von Alexej Nawalny demonstriert. Kremlchef Putin sprach im Staatsfernsehen von »unseren Gegnern«.”

Putin nennt seine eigenen Mitbürger “Gegner”? Das ist wirklich schlimm oder? Okay, Minister wie Gabriel haben Regierungsgegner in Deutschland auch schon als “Pack” bezeichnet, aber sei es drum. Die Frage ist, ob Putin das wirklich gesagt hat. Und das können wir überprüfen.

Der Beitrag im Staatsfernsehen, auf den sich der Spiegel beruft, ist in der Sendung “Nachrichten der Woche” gezeigt worden.

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