Ein interessanter Leserbrief zur Situation in Myanmar

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16-02-21 08:35:00,

In der letzten Woche hatte unser in Thailand lebender Autor Marco Wenzel auf den NachDenkSeiten eine spannende Analyse zum Putsch in Myanmar verfasst. Dazu schrieb uns der mit der Region vertraute Botschafter a.D. Horst Rudolf einen ebenfalls spannenden Leserbrief. Wir freuen uns, Ihnen den Leserbrief samt einer Erwiderung von Marco Wenzel präsentieren zu dürfen.

Leserbrief zu Marco Wenzel:

“Gebrochene Flügel“ vom 8. Februar 2021

Der Artikel von Marco Wenzel ist sehr informativ und korrekt; er stimmt weitgehend mit der internationalen Sicht der Dinge überein. Trotzdem erscheint mir ein ergänzender Blick „hinter die Kulissen“ Nachdenkens wert, da ich die Protagonistin Aung San Suu Kyi persönlich gut kenne und die Ereignisse über meine Freunde in Myanmar und Thailand direkt verfolgt habe.

Die Wahlen in Myanmar gingen tatsächlich noch schlechter für die Militärs aus, als von diesen befürchtet.Fehler und Fälschungen gab es durchaus relative viele, das Endergebnis war aber tendenziell korrekt.

Zuerst: das Militär wollte nach diesem Schock natürlich sein Gesicht wahren und zumindest einige Sitze mehr im Parlament erstreiten, da dort auch ehem. Militärs als Zivilisten „geparkt“ waren, die dringend Immunität brauchten, um nicht endlos Ärger zu haben. Einzelheiten wären zu umfangreich – aber Burmesen können durchaus rachsüchtig sein.

Die Wahlkommission (UEC) stellte sich (auf Weisung von Aung San Suu Kyi (ASSK)?) dumm und wies die Forderung der Militärs nach einer Nachprüfung ab, was die Militärs zusätzlich verärgerte.Zumindest hätte ASSK mit der Einbestellung des Parlaments abwarten sollen (eine weitere dringende Forderung der Militärs), bis eine teilweise Neuauszählung der Stimmen gelaufen wäre.
 
All dies interessierte ASSK nicht; vielmehr hatte sie schon seit Wochen Druck gemacht, mit der starken Mehrheit nun endgültig auf eine Verfassungsänderung zu drängen – d.h. die Militärs letztendlich zu entmachten.

Damit wären auch die korrekt beschriebenen Pfünde der Militärs gefährdet. Was allerdings fehlt, ist die Information, das diese Wirtschaftsaktivitäten praktisch die Renten- und Krankenversicherung aller Militärs und ihrer Familien im Land darstellen. Bei einem Verlust wäre das ein Absturz in bisher unbekannte soziale Tiefen – was ASSK nie offen mit den Militärs diskutiert hat.
 
Ich weiß das alles aus persönlicher Erfahrung. 1998 (!) hatte ich sie bei der ersten (von den Militärs genehmigten) Parteiversammlung beraten, wie sie (auch mit deutscher Hilfe) an einer Verfassung arbeiten kann – doch sie hat sich schlicht verbeten,

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