Ungedruckter Spiegelartikel aus 1999: “Organisierter Massenbetrug” – 2020 NEWS

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16-02-21 09:13:00,

2020News publiziert hier den unveröffentlichten Text einer Druckfahne des Spiegels aus dem Jahr 1999. Er handelt von den kriminellen Machenschaften von Banken, insbesondere der Hypo-Vereinsbank, im Immobilienbereich. Die Bank hatte eng mit Drückerkolonnen zusammengearbeitet, um gutgläubigen Immobilienkäufern angeblich “bankgeprüfte” Wohnungen zu verkaufen, die allerdings lediglich einen Bruchteil des gezahlten Kaufpreises wert waren. Der Kaufpreis bestand – für den Käufer unerkennbar – in einer Höhe von 22 bis 45 Prozent aus Vermittlungsprovisionen. Die Bank stellte zudem fiktive Wertermittlungskosten in Rechnung. Die Beurkundung des Deals erfolgte vielfach nach Dienstschluss bei sogenannten “Mitternachtsnotaren” unter Verletzung der notariellen Neutralitäts- und Aufklärungspflichten. Die kurzfristige Entscheidung gegen eine Veröffentlichung, so ein Informant gegenüber 2020News, sei kurz nach dem Besuch einer Gruppe von Justiziaren der Hypo-Vereinsbank beim Spiegel gefallen. Im Spiegel sei dann eine großangelegte Werbekampagne der Hypo-Vereinsbank zum Thema “Leben Sie – wir kümmern uns um den Rest” gelaufen.

In der Finanzkrise flogen die faulen Kredite dann der Hypo-Vereinsbank-Tochter Hypo Realestate, die die “Bad Loans” übernommen hatte, mangels Werthaltigkeit der Schrottimmobilien um die Ohren. Die Bank wurde 2009 mit Steuermitteln und Staatsgarantien in Höhe von 143 Milliarden Euro gerettet.

Nicht auszudenken, was die Aufdeckung des Finanzierungsgebarens der Hypo-Vereinsbank durch den Spiegel im Jahr 1999 an wirtschaftlicher Not und persönlichem Leid für weitere geprellte Immobilienanleger hätte verhindern können und welche finanziellen Opfer sie dem Steuerzahler hätte ersparen können.

Hier der Originaltext der Druckfahne:

„Ein organisierter Massenbetrug

Frisierte Zinsberechnungen, vorgetäuschte Gutachten und Kreditpraktiken, die jeden seriösen Banker entsetzen: Die Hinterlassenschaft der früheren Hypo bringt Deutschlands zweitgrößte Bank in Schwierigkeiten. Kunden fordern Schadenersatz, Staatsanwälte ermitteln. 

Es war ein glänzendes Jahr für Deutschlands größten Baufinanzierer. Das Neugeschäft der Bayrischen Hypotheken- und Wechsel-Bank sprang auf 27,4 Milliarden Mark nach oben, 64 Prozent mehr als im Vorjahr. Mitten im schönsten Boom wurde dem Vorstandsmitglied Klau Heiss mulmig.

Über die Methoden, mit denen er den Umsatz hochknüppelte, machte sich der für Immobilien zuständige Spitzenmann keine Sorgen. Er fürchtete, dass zu viele Finanzierung zusammenbrechen könnten. “Deutlich risikobehafteter” sei das Neugeschäft, notierte Heiss im Juli 1993 und orderte an, dass Immobilien nicht mehr zu 180, sondern nur noch zu maximal 160 Prozent ihres Wertes beliehen werden sollten.

Aber die Filial- und Bereichsleiter mußten Umsatz heranschaffen, die Bank finanzierte weiterhin zu über 160 Prozent. So bekam im Frühjahr 1994 ein Hypo-Kunde ein 180.000-Mark-Darlehen für eine Wohnung,

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