Dunkle Erleuchtung

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18-02-21 04:09:00,

Obwohl er schon seit 76 Jahren nicht mehr lebt, Hitler ist der mächtigste Politiker unserer Zeit. Selbst als Schatten überragt er die lebenden Gestalten aller heute aktiven Staatenlenker. Weil es Hitler ist, der die Gedankenwelt von Millionen Menschen beherrscht — selten als Vorbild einiger Unbelehrbarer, weitaus häufiger als mächtiges Tabu und Angstpopanz. Hitler beherrscht die heutigen Menschen durch die Art und Weise, wie diese alles Hitlerhafte zu umgehen und zu vermeiden suchen, um dann doch wieder, auf verschlungenen Wegen, zu ihm zurückzukehren — wie angezogen von einem unwiderstehlichen Gedanken-Magneten.

In einer persönlichen Mitteilung schrieb mir Claus Hant: „Hier muss man sich die Vergangenheit sehr genau anschauen. Warum ist Hitler seinen Zeitgenossen als eine so überaus positive Figur erschienen? Warum konnten sich viele hochgebildete Intellektuelle für ihn begeistern? Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch im Ausland?“ Dabei geht es dem Autor nicht darum, zum Beispiel am Krieg, an der Internierung und Ermordung von Regimegegnern oder am Judenmord noch „Positives“ aufspüren zu wollen. Massenerschießungen von osteuropäischen Zivilsten — Männer, Frauen und Kindern — durch SS-Leute lässt er nicht unerwähnt.

Im Mittelpunkt des Buches stehen aber nicht die hinlänglich bekannten Grausamkeiten des Regimes, sondern, wie der Titel sagt, die „wenig bekannten Fakten“. Diese haben vor allem mit der Person des Diktators zu tun. Auch nachdem Bibliotheken über den vielleicht wirkungsmächtigsten Politiker der letzten Jahrhunderte geschrieben worden sind, bleibt Hitler in vieler Hinsicht der große Unbekannte in der Hitlerforschung. Seine Biografen beschäftigen sich zum Teil weitaus mehr mit dem Rauch als mit dem Feuer. Das ist verständlich, denn Hitlers Verbrechen waren monumental. Gerade in ihrem Korrekt-sein-Wollen verfehlen aber viele Hitler-Betrachter den Kern und geben damit ein wesentliches Werkzeug aus der Hand, künftige Menschheitsverbrechen zu verhindern.

So hat die Forschung bisher versucht das „Unbegreifliche“ weg zu erklären, indem sie immer neue und zusätzliche Hilfsannahmen und Hypothesen auftürmte. Begreifbarer wurde Hitler dadurch aber nicht. Claus Hant ist in seinem Buch einen radikal anderen Weg gegangen. Anstatt zu versuchen „das Unbegreifliche“ hinter wackeligen Erklärungen verschwinden zu lassen, macht er es zum Zentrum seiner Untersuchung. Rasch wird klar: Wir haben uns ein Bild von Hitler gemacht, das wir aufgrund von unzähligen Wiederholungen für real halten. Doch Claus Hant kann durch akribisch belegte Recherche nachweisen, dass dieses Bild an vielen Stellen nicht mit den von der akademischen Forschung nachgewiesenen Fakten übereinstimmt.

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