Coronaimpfung: Ein Stoff, der reich macht

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19-02-21 10:27:00,

Pharmafirmen wehren sich gegen die Forderung, ihre Patente auf Coronaimpfstoffe aufzuheben. Die Entwicklung sei schliesslich ihr Verdienst. Doch das ist falsch.

Von Yves WegelinMail an AutorInTwitter Profil von AutorIn (Text) und Patric Sandri (Illustration)

Öffentliche Forschung – privater Profit: Der Weg zum Impfstoff (grosse Ansicht der Info-Grafik).

Einige Pharmafirmen, die mit ihrem Coronaimpfstoff als Erste die Ziellinie zur Zulassung überquert haben, werden allein in diesem Jahr Milliarden kassieren. Zuvorderst die US-Biotech-Firma Moderna, die ihren Impfstoff beim Schweizer Unternehmen Lonza produzieren lässt; aber auch der US-Pharmagigant Pfizer in Kooperation mit der deutschen Firma Biontech, die ihren Sitz in Mainz hat, «An der Goldgrube 12».

Die erwarteten Milliardengewinne liessen den Aktienkurs von Moderna seit Anfang 2020 von rund 20 auf rund 180 US-Dollar katapultieren, womit laut Finanzplattform Bloomberg allein CEO Stéphane Bancel bis Dezember 2020 4,8 Milliarden US-Dollar gewonnen hat. Auch Biontech-CEO Ugur Sahin machte 4 Milliarden vorwärts.

Dass mitten in einer riesigen Weltwirtschaftskrise einige Milliarden kassieren, während arme Länder sich kaum genügend der teuren Impfdosen sichern können, stösst auf immer lautere Kritik. Gut hundert Regierungen, aber auch nichtstaatliche Organisationen wie Ärzte ohne Grenzen oder Oxfam sowie die Uno-Menschenrechtskommission fordern von der Welthandelsorganisation (WTO) die temporäre Aussetzung der Impfstoffpatente, damit mehr billige Dosen hergestellt werden können. In der Schweiz haben unter anderem Amnesty International und Public Eye den Bundesrat aufgefordert, sich dafür einzusetzen.

Der Pharmakonzern Astra Zeneca hat deshalb versprochen, während der Pandemie keinen Profit mit dem Impfstoff zu machen. Von der Forderung, auf Gewinne zu verzichten, halten Moderna, Biontech und Pfizer jedoch nichts. «Man muss sehr fanatisch und radikal sein, um so etwas gerade jetzt zu verlangen», sagte Pfizer-CEO Albert Bourla dem US-Magazin «Barron’s». Die Impfungen seien das Verdienst der Firmen.

Das ist falsch. Zu diesem Schluss kommt die WOZ, nachdem sie mit verschiedenen ExpertInnen gesprochen, Studien, Datenbanken und Geschäftsberichte durchforstet und bei den Firmen selbst nachgefragt hat. Erstens beruhen die Impfungen auf jahrzehntelanger öffentlich finanzierter Forschung. Zweitens haben die Firmen letztes Jahr nochmals Milliarden an Finanzspritzen zur Entwicklung der Impfstoffe erhalten. Und drittens haben Regierungen weltweit den Firmen Absatzgarantien gegeben – bevor sie die jeweilige Wirksamkeit der Impfstoffe kannten.

Der dreissigjährige Weg

Die Impfstoffe von Moderna und Biontech gehen auf einen Durchbruch im Jahr 1961 zurück: WissenschaftlerInnen gelang es nach jahrelanger Forschung an öffentlichen Einrichtungen in den USA und Frankreich,

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