Die Zahlen, die über unser Schicksal entscheiden, sind verfälscht

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19-02-21 08:31:00, Autor/in

Stefan Millius

Stefan Millius (*1972) ist Chefredaktor von «Die Ostschweiz». Seine Stationen führten über das «Neue Wiler Tagblatt», Radio aktuell, die ehemalige Tageszeitung «Die Ostschweiz» zum «Blick».

Überschätzung der tatsächlichen Positivitätsrate

Nach Massentests an Schulen oder in Hotels und Firmen müssen dem Bundesamt für Gesundheit nur die positiven Testresultate gemeldet werden, nicht aber die negativen. Und nur positive Fälle wandern in die aktuelle Statistik. Was konkret heisst: Die erhobenen Zahlen sind für den Papierkorb.

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Stefan Millius
Publiziert am 19. Februar 2021

Corona Test

«Coronavirus: BAG treibt Positivitätsrate künstlich in die Höhe». Der Titel muss direkt einem alternativen Verschwörermedium aus einer stillgelegten Tiefgarage entspringen, richtig?

Nicht ganz. Es geht um einen Beitrag des Nachrichtenportals nau.ch. Es zeigt darin auf, dass die Zahlen, die künftig über Sein oder Nichtsein der Schweizer Wirtschaft entscheiden sollen, verfälscht sind. Und was sind verfälschte Zahlen unterm Strich? Einfach falsch.

Konkret geht es darum, dass der Bund – grosszügig wie immer und derzeit bekanntlich im Geld versinkend – die Kosten für Coronamassentests übernimmt. Getreu dem Motto: Man muss so viel testen wie möglich, um ein klares Bild zu erhalten. Vor allem in Alters- und Pflegeheimen, aber auch in Unternehmen, Schulen und Hotels soll getestet werden auf Teufel komm raus, um den Herd allen Übels frühzeitig zu erkennen und Quarantäne zu verordnen.

Nebenbei erhält man damit natürlich auch wertvolle Informationen über die berühmten Fallzahlen, die noch wichtiger werden als bisher, weil die geplante Wurstscheiben-Öffnungspolitik des Bundesrats direkt an die Entwicklung dieser Fallzahlen geknüpft ist. Sinken sie, geht ein Türchen auf, steigen sie, bleibt es zu.

Allerdings gilt ja bekanntlich: Wer zahlt, befiehlt. Was mit den Ergebnissen der Tests passiert, diktiert der Bund, und der hat sich zu einem System entschlossen, das sich bisher in der Wissenschaft noch nicht durchgesetzt hat. Glücklicherweise. Denn das Bundesamt für Gesundheit nimmt nur die positiven Testresultate in die Statistik, Andere hat es gar nicht, weil es die negativen Ergebnisse kurzerhand als «nicht meldepflichtig» erklärt hat.

Nur medizinische Einrichtungen müssen die Ergebnisse der Massentests zwingend übermitteln. 400 negativ ausgefallene Tests bei 400 Schülern hingegen tauchen nirgends auf. Eine Ausnahme bilden nur Tests nach einem Infektionsausbruch.

Wieso werden Hotels, Firmen und Schulen nicht verpflichtet, negative Tests ebenfalls zu melden,

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