Eine buntere Welt

eine-buntere-welt

19-02-21 11:43:00,

Am 31. Dezember 2020 beendete die Universität Hamburg, mit über 40.000 Studenten eine der größten in Deutschland, ihre Kooperationsvereinbarung mit dem chinesischen Konfuzius-Institut. Dabei ist das Hamburger Konfuzius-Institut seit seiner Eröffnung 2007 ein beliebter Ort zum Kennenlernen der chinesischen Kultur und Erlernen der Sprache. Die Angebote werden besonders gerne von Studenten genutzt. Einige wollen damit bessere Chancen im späteren Arbeitsleben, andere haben Interesse an der chinesischen Kultur, und oft trifft beides zu.

Die Konfuzius-Institute setzen von Anfang an auf Zusammenarbeit mit dem Gastland und sind meist Gemeinschaftsprojekte mit Hochschulen. Das Interesse ist da und steigt, je weiter der wirtschaftliche Aufstieg Chinas voranschreitet. Der Bedarf wächst auch, je mehr die Kultur im Westen absinkt. Die Konfuzius-Institute sind Teil der chinesischen Bemühungen zur kulturellen Kooperation mit Partnerländern. Auf einer strategischen Ebene geht es darum, die großen finanziellen Möglichkeiten der Neuen Seidenstraße zu nutzen, um dem Monopol des Westens auch im Bereich der Kultur etwas entgegenzusetzen.

Obwohl dieses kulturelle Potenzial kaum realisiert ist, gibt es schon jetzt politischen Druck. Dies betrifft in Deutschland auch die Universität Düsseldorf, welche die Zusammenarbeit mit dem dortigen Konfuzius-Institut ebenfalls 2020 beendete. Von den international über 500 Standorten wurden fast zehn Prozent geschlossen. Im deutschen Politikbetrieb hetzen Die Grünen am lautesten gegen Zusammenarbeit und Kulturaustausch mit China.

Was ist der Grund für diesen politischen Druck auf Kulturprojekte? Offiziell geht es wieder um die üblichen Worthülsen wie Freiheit und Demokratie. China wird vorgeworfen, die Freiheit von Wissenschaft und Lehre einzuschränken.

Vor dem Hintergrund der zunehmenden neoliberalen Gleichschaltung an deutschen Hochschulen ist die Doppelmoral unübersehbar.

Denn deren Kultur der Redefreiheit und demokratischen Toleranz sieht so aus: Eine Studie, welche im September 2020 in der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie (1) erschien, stellte fest, dass etwa die Hälfte der befragten Studenten keine andere Meinung toleriert. Noch mehr gaben an, dass Personen mit abweichenden Sichtweisen keinen Lehrauftrag erhalten sollen. Ein Drittel der Studenten wollte sogar unliebsame Bücher aus den Bibliotheken verbannen. Ob man solche Bücher verbrennen sollte, wurde nicht gefragt.

Der Diskurs an westlichen Universitäten und in wachsenden Teilen der Gesellschaft ist zunehmend auf das beschränkt, was der neoliberale Mainstream in Politik, Presse und Kultur vorgibt.

Damit kultivieren sich die kapitalistischen Scheindemokratien das, was die Chinesen als „Baizuo“ bezeichnen: arrogante und intolerante Kleinbürger — zu feige für harte Kritik am heimischen Ausbeutersystem,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: