Kliniken 2020: Falsche Corona-Fälle, Patientenschwund und selbstgemachter Notstand

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19-02-21 08:53:00,

Überlastete Kliniken, Schwerkranke, die nicht behandelt werden können: Seit Beginn der Corona-Krise ist die Angst vor diesem Szenario in der Öffentlichkeit präsent – und dient als Begründung für immer schärfere Lockdown-Maßnahmen mit weitreichenden existenziellen und psychischen Folgen. Doch was passierte 2020 wirklich in den Krankenhäusern? Eine neue Analyse der Initiative Qualitätsmedizin (IQM), in der rund 500 Kliniken in Deutschland und der Schweiz organisiert sind, offenbart nun ein anderes Bild. Auch eine aktuelle Recherche der ZEIT belegt eine maßlose Übertreibung des Corona-Problems.

SUSAN BONATH, 18. Februar 2021, 2 Kommentare

„Kranke“, die nicht krank waren

Die Zahl 5.639 überschattete den Jahreswechsel zu 2021. So viele angebliche COVID-19-Intensivpatienten führte das Register der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin, kurz DIVI, am letzten Tag des ersten Pandemiejahres 2020 auf – Tendenz damals noch weiter steigend. Alles schwerkranke Corona-Patienten? Mit dem Damoklesschwert der Triage wurde die Öffentlichkeit in Panik versetzt. Erst Mitte Dezember war der Lockdown verschärft worden.

Doch viele Skeptiker trauten schon damals den Zahlen nicht. Es war bekannt, dass jeder Patient zunächst einen PCR-Test auf das Coronavirus SARS-CoV-2 bekam, bevor er in einer Klinik behandelt wurde – egal ob es um eine Krebs-Therapie oder eine Knie-OP ging. Dieses Vorgehen hat tatsächlich viele Zufallsfunde zutage gefördert, die trotz positivem Befund keine Symptome der Lungenerkrankung COVID-19 zeigten, wie aus einem Bericht der ZEIT diese Woche hervorgeht.

Demnach räumten 20 Kliniken aus ganz Deutschland ein, dass 20 bis 30 Prozent der „COVID-19-Patienten“ wegen ganz anderer Erkrankungen oder für eine Entbindung ins Krankenhaus gekommen waren. Wegen eines positiven Tests listete sie das Robert-Koch-Institut (RKI) trotz fehlender Symptomatik als COVID-19-Patienten auf. Auch die DIVI räumte auf Nachfrage der ZEIT ein: Auf den Intensivstationen werde jeder zehnte im Register aufgeführte Patient wegen anderer Erkrankungen behandelt. Derweil dienen gerade diese Zahlen der Politik als Alarmmelder für „schwere Fälle“.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) winkte auf Anfrage der Journalisten ab: Das „harte Kriterium“, um als COVID-Fall in die Daten einzugehen, sei nun mal ein positiver Test. Doch selbst davon gibt es derzeit immer weniger. Von Anfang Januar, als der Höchststand von „COVID-Fällen“ auf Intensivstationen (ITS) mit 5.762 angegeben worden war, bis zum 18. Februar sanken die Zahlen um rund 45 Prozent. Wer von den aktuell 3.177 Patienten an COVID-19 leidet, bleibt unklar.

Weniger Patienten als im Vorjahr

Die Horrorszenarien stimmen in weiten Teilen offensichtlich nicht mit der Realität überein.

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