Afghanistan: über 20 Jahre Krieg, Leid, Chaos und kein Ende | KenFM.de

afghanistan:-uber-20-jahre-krieg,-leid,-chaos-und-kein-ende-|-kenfm.de

23-02-21 08:04:00,

Ein Beitrag von Wolfgang Effenberger.

Vor einem Jahr vereinbarte US-Präsident Trump mit den Taliban in Doha ein Abkommen über den Abzug der US-Truppen bis Mai 2021. Die Biden-Administration hält dieses Abkommen für kaum hinnehmbar und will es nun korrigieren.(1) Jake Sullivan, Präsident Bidens neuer Sicherheitsberater betonte am 23. Januar 2021, dass „die USA den Friedensprozess mit robusten und regionalen diplomatischen Anstrengungen unterstützen werden“.(2) Unter „robusten“ Anstrengungen wird in der US-Administration meist der massive Einsatz von Militär verstanden. Der sich daraus ergebende Druck soll dann „diplomatische Erfolge“ ermöglichen. Das hat bisher eigentlich nie funktioniert. So hofft Pakistans Außenminister Shah Mahmood Qureshi inständig, dass die Biden-Regierung den Friedensprozess vorantreibt, und die USA das Doha-Abkommen nicht verändern.(3) Die Hoffnung dürfte vergebens sein.

Neue Gewalt torpediert Friedensgespräche

Rechtzeitig vor dem Abzugstermin stocken die Friedensgespräche zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban, die Sicherheitslage ist angespannt. So ist mit dem Abzug der gut 10.000 Einsatzkräfte (Bundeswehr ca. 1.100) derzeit wohl nicht zu rechnen. Laut Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer geht es auch um die Frage, wie man sich auf eine erhöhte Bedrohung der internationalen Truppen durch die Taliban einstellt.(4) Im ZDF-Interview beeilte sich General Yasin Zia, Oberbefehlshaber der Afghanischen Armee, die so gut wie ausschließlich von westlichen Hilfsgeldern bezahlt wird, die Einschätzung der Verteidigungsministerin zu untermauern: „Die USA sollten ihre Entscheidung, ihre Truppen abzuziehen, überdenken. Der Kampf gegen den Terrorismus war eine internationale Angelegenheit, deswegen sind sie nach Afghanistan gekommen, um den Feind hier zu bekämpfen. Dieser Feind ist immer noch aktiv“(5).

Das Statement des Generals kommt nicht überraschend. Schließlich würde er bei einem Abzug voraussichtlich nicht nur seine Stellung, sondern auch weitere Privilegien verlieren.

Ein Teil der horrenden Stationierungskosten fließt direkt in die Taschen der von den USA gestützten Machthaber. Allein das deutsche Engagement in Afghanistan inklusive Bundeswehr-Einsatz hat seit 2001 rund 16,4 Milliarden Euro gekostet. Im Jahr 2018 beliefen sich die einschlägigen Ausgaben aus den Etats von Verteidigungsministerium, Auswärtigem Amt, Entwicklungs- und Innenressort auf 770 Millionen Euro.(6) Was für eine Aufbauhilfe hätte mit diesen Mitteln geleistet werden können!

Es gibt durchaus Kriegsgewinnler inner- und außerhalb Afghanistans, die ein Interesse an einer weiteren Eskalation haben. Interessiert am Stützpunkt Afghanistan sind auch US-Geostrategen.

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: