Philippinen: Telegener Sturz eines Despoten

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28-02-21 03:09:00,

Vor 35 Jahren endete die Amtszeit von Ferdinand E. Marcos (1965-86), des engsten US-Vasallen in Südostasien. Es war der erste medial voll ausgeleuchtete Machtwechsel in einem Land der sogenannten Dritten Welt – mal als „Wunder-“, mal als „Rosenkranzrevolution“ überschwänglich gepriesen. Seit annähernd fünf Jahren amtiert mit Rodrigo R. Duterte ein Präsident in Manila, der sich als glühender Marcos-Verehrer versteht, und dessen Schandtaten, was allein die Menschenrechtssituation in dem Inselstaat betrifft, noch jene von Marcos in den Schatten stellt. Ein Essay von Rainer Werning.

Vorbemerkung

Vor 35 Jahren – vom 22. bis zum 25. Februar 1986 – dominierte „People Power“ das Stadtbild der Metropole Manila und besiegelte unter weltweiter Anteilnahme das Ende der Marcos-Diktatur. Mit Hilfe des Militärs und unter US-Ägide garantierte die neue Präsidentin Corazon C. Aquino eine Rückkehr zur Eliten-Demokratie – letztlich gegen das Volk.

Im August 1983 war Marcos’ schärfster politischer Rivale, der Oppositionspolitiker Benigno S. Aquino (Ehemann der späteren Präsidentin), nach seiner Rückkehr aus zeitweiligem Asyl in den USA auf dem Rollfeld des Flughafens von Manila erschossen worden. Seitdem verging kaum ein Tag, an dem sich nicht irgendwo in- wie außerhalb der Hauptstadt Protest regte. Diesem schlossen sich zunehmend auch Mitglieder der Oberschichten an. Bis diese als „Parlament der Straße“ in die Landesgeschichte eingegangene, breite antidiktatorische Protestbewegung schließlich am 22. Februar 1986 zum „letzten Gefecht“ blies. Drei Tage später, am Abend des 25. Februar, hatte sie ihr Ziel erreicht. Die euphorisch als Demokratie-Ikone und Hoffnungsträgerin gefeierte Witwe des einstigen Marcos-Herausforderers, Corazon C. Aquino – liebevoll und allerorten kurz „Cory“ genannt – war nunmehr die neue Chefin im Präsidentenpalast Malacañang.

Marcos – Ära eines Hoffnungsträgers

Jäh endete somit die Ära eines Mannes, der langjährig als Washingtons verlässlichster Verbündeter in Südostasien zur Zeit des Vietnamkrieges und in der Ära des Kalten Krieges galt. Als Ferdinand E. Marcos Ende 1965 in den Malacañang-Palast zu Manila einzog, beseelten den jungen Staatschef zwei Dinge. Innen- und wirtschaftspolitisch wollte er seinen Wahlkampfslogan We shall be a great nation again („Wir werden wieder eine große Nation sein“) schnellstmöglich umsetzen. Außen- und sicherheitspolitisch ging es ihm darum, der einstigen Kolonialmacht USA (1898-1946) treu zur Seite zu stehen und Washingtons militärische Hegemonialstellung in Südost- und Ostasien mit der fortgesetzten Bereitstellung der seinerzeit weltweit größten US-Stützpunkte außerhalb des nordamerikanischen Kontinents, der Subic Naval Base und dem Clark Air Field,

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