Blutsonntag in Myanmar

blutsonntag-in-myanmar

01-03-21 03:07:00,

Nach fast einem Monat andauernder Proteste hat die Militärjunta in Myanmar den Rubikon überschritten und scheint jetzt entschlossen zu sein, die Proteste auf ihre Art zu beenden. Nach einer Rede des UN-Botschafters von Myanmar vor der UN-Generalversammlung am Freitag wurden am Sonnabend hunderte von Menschen in ganz Myanmar festgenommen. Dutzende wurden verletzt, als die Sicherheitskräfte in Zuge einer gezielten Niederschlagung von Protesten gegen das Militärregime im ganzen Land jeden angriffen, der sich ihnen in den Weg stellte. Der staatliche Sender Myanmar Radio and Television gab am Abend bekannt, dass am Samstag bereits 479 “Staatsgegner” im ganzen Land festgenommen wurden. Bis zum Sonntagmorgen waren mindestens 18 Menschen von der Polizei erschossen worden. Von Jinthana Sunthorn, Hong Kong. Übersetzung aus dem Englischen von der Redaktion.

Die Lage spitzt sich zu

Seit drei Wochen gehen die Menschen in Burma auf die Straße, um die Militärdiktatur anzuprangern. Die Proteste führten vor dem Wochenende bereits zu Blutvergießen, unter anderem in der Hauptstadt Naypyitaw und in Mandalay, wo in der vergangenen Woche fünf Menschen, unter ihnen ein 16-jähriger Junge, von Bereitschaftspolizei und Soldaten erschossen wurden. Das erste Opfer aber war Mya Thweh Thweh Khine, eine 20-jährige Studentin, die bereits am 9. Februar in den Kopf geschossen wurde und 10 Tage später verstarb. Ihre Beerdigung fand unter großer Beteiligung statt.

Die Polizei und das Militär hatten sich nach dem Putsch vom ersten Februar anfangs zurückgehalten. Sie waren selber überrascht über das Ausmaß der Ablehnung, die ihnen entgegenschlug, und wahrscheinlich hofften sie, dass die Protestwelle nach einiger Zeit wieder von selber abebben würde. Es ist klar, dass das Regime von einem weiteren Blutbad nichts zu gewinnen und viel zu verlieren hat. Innenpolitisch wird eine systematische Niederschlagung die ohnehin schon wütende und feindselige Bevölkerung noch mehr erzürnen. International wird ein weit verbreitetes Blutvergießen das Regime noch mehr in Verruf bringen und in die Isolation treiben.

Aber die Menschen gingen trotz aller Drohungen des Regimes unbeirrt jeden Tag erneut auf die Straße, erfanden immer neue Techniken des Protestes und drohten, das Land unregierbar zu machen. Der Widerstand wurde immer stärker und weitete sich schließlich zu einem landesweiten Generalstreik aus. Die Welt konnte zuschauen, das Internet und die sozialen Medien verbreiten alles in Windeseile.

Myanmars Junta regiert derzeit eine Nation im Stillstand. Jetzt will das Regime seine Autorität mit aller Gewalt durchsetzen,

 » Lees verder

%d bloggers liken dit: