HIStory: Lippmann, Hayek, Friedman und Co. – Vom Neoliberalismus zum Marktradikalismus | KenFM.de

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01-03-21 08:26:00,

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Der Buchautor und Publizist Hermann Ploppa erläutert in HIStory kurz und sachlich historische Daten und Jahrestage von herausragenden geschichtlichen Ereignissen. Dabei werden in diesem Format Begebenheiten der Gegenwart, die mit einem Blick in die Vergangenheit in ihrer Bedeutung besser einzuordnen sind, künftig alle 14 Tage montags in einen geschichtlichen Kontext gebracht.

Das Thema heute: Lippmann, Hayek, Friedman und Co: Vom Neoliberalismus zum Marktradikalismus

Wir wollen heute die Geschichte erzählen, wie der Neoliberalismus entstand, und wie sich aus ihm der Marktradikalismus herausdestillierte.

Unsere Geschichte beginnt im Jahre 1936. Franklin Delano Roosevelt, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, hatte seit 1933 sein Land behutsam aus einer wirtschaftlichen Katastrophe herausgeholt. Dazu nahm Roosevelt die Finanzmärkte energisch an die Leine, verteilte Geld von oben nach unten und stärkte die Rechte der gewöhnlichen Amerikaner.

Nun stellte sich Roosevelt 1936 also zur Wiederwahl. Und er konnte dabei einen Erdrutschsieg einfahren. Ein machtvolles Mandat. Jetzt war noch viel mehr möglich als zuvor. Zum ersten Mal in der Geschichte der USA war ein Präsident durch hohe Wahlbeteiligung mit einer echten Stimmenmehrheit gewählt worden!

Es dauerte nicht lange, bis die Oligarchie zurückschoss. Fast alle privaten Rundfunkstationen und fast alle Zeitungen machten von morgens bis abends Roosevelts Umverteilungspolitik von oben nach unten und seine Stärkung des öffentlichen Sektors nach europäischem Vorbild madig. Trotzdem begriffen die Oligarchen schnell: Roosevelt und seine Koalition der kleinen Leute würde man noch eine verdammt lange Zeit ertragen müssen. Hier half nur das Bohren ziemlich dicker Bretter. Stück für Stück müsste man den Einfluss des Staates zurückfahren. Aber nur meckern reichte auch nicht aus. Die Mächtigen und die Reichen der USA mussten dem Gesellschaftsentwurf Roosevelts eine kapitalistische Utopie entgegensetzen.

Als erste große Bühne der schönen neuen Welt des Konsumkapitalismus bot sich die Weltausstellung in New York im Jahre 1939 an. Inmitten der Pavillons fremder Gastländer mit ihrer Exotik stand als Zentrum und konkurrenzloser Blickfang ein Ensemble, bestehend aus einem schlanken Obelisk von 212 Metern Höhe und daneben einer gigantischen Kugel mit dem beziehungsreichen Namen Democracity. Im Innern dieses Domes ein Diorama. Von einer Galerie aus schauten die erstaunten Besucher auf das großformatige Modell einer futuristischen Kulturlandschaft aus dem noch so fernen Jahre 1960.

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