Die Opfer im Schatten

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02-03-21 12:41:00,

Manchen Menschen wird allein die Angst vor SARS-CoV-2 zum Verhängnis. Schon im Mai 2020 sagte der Charité-Rechtsmediziner Michael Tsokos in einem Interview, „dass einiges anders läuft als vor der Pandemie-Situation. Wir haben eine Art von Suizid-Motiv vor uns, das ich vorher noch nicht kannte. Nämlich, dass Menschen aus Angst vor dem Tod den Tod als Ausweg wählen“. Tsokos kennt bisher „weder von HIV noch von Krebs- oder Influenzaerkrankungen, dass Menschen, die gar nicht an einer Erkrankung leiden, sich aus purer Angst davor suizidieren.

Das Tragische ist, dass diese Menschen, die wir untersucht haben, ja auch gar nicht an COVID-19 erkrankt waren“. Denn: „Normalerweise wählen Menschen den Tod aus Angst vor dem Leben beziehungsweise Weiterleben“, wenn sie schwer erkranken, persönliche Krisen oder Trennungen durchmachen oder den Arbeitsplatz verloren haben. Selbstverständlich kenne man nicht in allen Fällen das Motiv, aber anhand einer kleinen Stichprobe von acht Fällen in wenigen Wochen in Berlin konnte man „die Corona-Pandemie als auslösend oder zumindest mitauslösend für“ den Selbstmord feststellen. Das gelänge durch die psychologische Autopsie, also was man von Angehörigen, aus Ermittlungsakten und Abschiedsbriefen erfährt. „Ich bin mir sicher, wir werden auf eine infektiologische Pandemie eine psychosoziale Pandemie sehen“, so Tsokos.

Mit seiner Prognose bezieht er sich auf die Weltwirtschaftskrise oder die letzte Finanzkrise. Der Rechtsmediziner nennt das Beispiel eines 53-Jährigen, der seit Jahren extrem zurückgezogen lebte und sich erhängte. Bei dem Mann habe eine „‚Lebensangst‘ — wohl am ehesten im Sinne einer Depression — bestanden, die durch die Corona-Pandemie“ deutlich verstärkt wurde. In einem handschriftlichen Abschiedsbrief nahm der Mann Bezug auf die Auswirkungen der Corona-Politik: „Mir reicht‘s — Corona-Staat ohne mich.“

Bei dem Toten fanden die Mediziner weder Vorerkrankungen noch eine SARS-CoV-2-Infektion. Aber man müsse sehr genau hinschauen, wenn bis Ende des Jahres eine Übersterblichkeit vorliegen sollte: „Ist sie ausgelöst durch Coronatote, was ich aktuell für sehr fraglich halte, oder sind es vermehrte Suizid- und Alkohol-Tote?“ Deshalb müssten die Maßnahmen auch so weit wie möglich gelockert und die Kommunikation „moderat geführt werden. (…) Wir dürfen keine Panik machen, sondern wir müssen die Leute beruhigen“, statt in Talkshows immer wieder Horror-Szenarien zu entwerfen.

Auch in anderen Ländern nahmen sich infolge des Lockdowns viele Menschen das Leben. So berichteten Ärzte und Krankenschwestern des John Muir Medical Center in Kalifornien von zahlreichen Suizidversuchen in relativ kurzer Zeit.

Die Krankenhäuser hätten sich zwar auf einen Ansturm von COVID-Patienten eingerichtet,

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