Atem für die Hoffnung

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03-03-21 02:19:00,

Heribert Prantl ist ein scharfer Beobachter. Seit März vergangenen Jahres verfolgt er mit anfangs wachsamem, inzwischen mehr und mehr besorgtem Blick den Umgang von Regierung und Medien mit dem Phänomen Coronavirus/Sars-CoV-2. Schon sehr früh warnte er in seinem Newsletter mit dem passenden Motto „Prantls Blick“ vor den verheerenden Auswirkungen der ergriffenen Maßnahmen.

Nun hat er ein Buch dazu geschrieben, das einerseits eine Sammlung der in der Süddeutschen Zeitung erschienenen Kolumne umfasst, darüber hinaus aber deutlich weitergeht und sich mitunter anfühlt wie der Schrei eines einsamen Kriegers in der Wüste, der seine Kollegen und Kameraden herbeizurufen versucht, die sich völlig verrannt zu haben scheinen.

„Nicht die Freiheit muss sich rechtfertigen, sondern ihre Beschränkung und Begrenzung. In der Corona-Zeit begann dieser Satz zu wackeln und zu bröckeln“, schreibt der Autor, um sogleich darauf hinzuweisen, dass in seinem Umfeld ihn mancher als „juristischen Erbsenzähler“ bezeichne. Das Beharren auf den Grundrechten werde ins Lächerliche gezogen.

Man kann sich bei solchen Passagen des Eindrucks nicht erwehren, dass Heribert Prantl seine Zeilen nicht nur an den normalen Leser richtet, sondern in erster Linie auch an die Kollegen im eigenen Haus, wenn er betont, dass eine Stimmung entstanden sei, die Grundrechte in Krisenzeiten als Gefahr erachtet. Einige Sätze erinnern an die Worte des Historikers René Schlott, der sich in der SZ ebenfalls gleich zu Beginn der Maßnahmen im März kritisch äußerte und davor warnte, dass diese oft schnell ergriffen, aber nur sehr schwer wieder rückgängig gemacht werden.

„Die Bewegungsfreiheit der Menschen wurde massiv eingeschränkt, die Gewerbefreiheit ist ausgesetzt, das Recht auf Eigentum ist suspendiert, Freizügigkeit gibt es nicht mehr, es gibt deutschlandweit Kontaktverbote und Kommunikationssperren, Hausarrest für die Bevölkerung. Das soziale und das wirtschaftliche Leben ist schwer erschüttert. Und es gibt kaum Protest dagegen und keine Demonstrationen; letztere sind ja verboten.“

Was für Heribert Prantl offenkundig aber noch schwerer wiegt, ist das Versagen der Kirche in der Krisenzeit. Aus seinen Worten dringt tiefe Fassungslosigkeit über das Leid der Sterbenden, das Verbot des Abschiednehmens und die Untersagung von Trauerfeiern. Eindringlich und berührend schildert er den Tod der eigenen Eltern, aber auch seine Kindheit, in der für ihn der Tod sehr präsent gewesen sein muss: die Aufbahrung der Gestorbenen, die Anteilnahme der Nächsten, das Zelebrieren des Verlassens dieser Welt. All dies werde den Menschen aktuell geraubt,

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