Die Herrschaft der Fluraufseher

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03-03-21 01:39:00,

von Glenn Greenwald

In den vergangenen Jahren greift ein neuartiger und schnell wachsender journalistischer „Beat“ (1) um sich, der sich am besten als eine unselige Mischung aus dem Tratsch der Fluraufsicht einer Mittelschule und der Bürgerüberwachung im Stasi-Stil beschreiben lässt. Der ist ein bisschen halbstark und etwas böswillig. Seine Hauptziele sind Kontrolle, Zensur und Zerstörung der Reputation anderer aus Spaß an der Macht. Zwar liegt das Epizentrum bei den großen Medienplattformen, doch handelt es sich um das genaue Gegenteil von Journalismus.

Über eine besonders toxische Spielart dieser „Berichterstattung“ habe ich bereits geschrieben. Journalistenteams der drei einflussreichsten Medienunternehmen — „Media Reporter” von CNN mit Brian Stelter und Oliver Darcy, „Disinformation Space Unit” der NBC mit Ben Collins und Brandy Zadrozny und die Tech-Reporter der New York Times (NYT) Mike Isaac, Kevin Roose und Sheera Frenkel — widmen den Großteil ihres „Journalismus“ der Suche nach Stellen im Internet, in denen ihrer Meinung nach Sprach- und Benimmregeln verletzt werden, markieren diese und plädieren dann für Strafmaßnahmen wie Banning, Zensur, Inhaltsregulierung oder „Nachsitzen“. Diese „Fluraufsicht“-Reporter sind einer der Hauptgründe dafür, dass Tech-Giganten, die eigentlich nie Zensur — im eigenen oder ideologisch motivierten Interesse — ausüben wollten, dies nun mit Hingabe und unverblümt launenhafter Willkür praktizieren: Denn wenn sie es nicht tun, würden sie von den reichweitenstärksten Medien der Welt an den Pranger gestellt.

Genauso wie die NSA davon besessen ist, sicherzustellen, dass nirgendwo auf der Welt Menschen frei von ihren spionierenden Augen und Ohren kommunizieren können, ertragen diese journalistischen Flurwächter die Vorstellung nicht, dass es irgendwo im Internet einen Ort gibt, an dem sich Menschen auf eine Art und Weise frei äußern, die sie nicht gutheißen. Wie zwielichtige Informanten eines staatlichen Geheimdienstes verbringen sie ihre Tage mit dem Trollen in den Tiefen von Chatrooms und 4Chan-Bulletin-Boards und Subreddit-Threads und privaten KommunikationsApps, um jeden aufzuspüren — einflussreich oder obskur — der etwas sagt, das ihrer Meinung nach verboten werden sollte, um dann ihre Konzernmegafone — die sie nicht selbst hergestellt haben und auch nicht herstellen könnten — dazu einzusetzen, jeden zum Schweigen zu bringen oder zu vernichten, der den Orthodoxien ihrer Konzernmanager widerspricht oder ihre Informationshegemonie infrage stellt.

Oliver Darcy hat seine Karriere bei CNN gemacht, indem er mit Brian Stelter zusammensaß und verbissen jeden verpfiff,

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