Soziale Nachhaltigkeit bleibt ein offenes Problem

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03-03-21 12:43:00,

Es sind vor allem unsere eigenen Verhaltens- und Denkmuster, die nachhaltiges Neudenken und Handeln verhindern. Der grassierende Klimawandel, die steigende Armut und der Ressourcenverzehr – um nur drei der größten Probleme des Planeten zu benennen – werden aber außerdem zunehmend durch die systemischen Eigenschaften der globalen Ökonomie und Politik vorangetrieben. Dieses nicht trennbare Zusammenspiel verursacht Nachhaltigkeitsfallen, die am Ende der dringend notwendigen Wende entschieden im Wege stehen. Der Lernforscher und Kulturtheoretiker Kersten Reich legt in seinem zweibändigen Werk „Der entgrenzte Mensch und die Grenzen der Erde“ diese scheinbar äußeren Nachhaltigkeitsfallen offen und klagt an, weist dabei aber zugleich auf unsere eigene Verantwortung und zeigt so die Chancen zur Veränderung auf. Ein Auszug.

Der Kampf um soziale Gerechtigkeit existiert in der Menschheitsgeschichte schon sehr lange. Sofern die demokratische Gesellschaft verspricht, allen Menschen gleiche Chancen geben zu wollen, erscheint dieser Kampf de jure dann gewonnen, wenn es eine demokratische Verfassung gibt, aber de facto nicht erreicht, wenn die Spaltung zwischen Arm und Reich immer weiter zunimmt. Mehr Gerechtigkeit gibt es nur durch aktive Kämpfe in der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums:

(1) Das Bekämpfen der Verelendung, die Sicherung eigener Rechte, einer Teilnahme an der gesamtgesellschaftlichen Demokratisierung beschäftigt die Mehrheit der Menschen seit langem, um eine Ausbeutung und Ausnutzung zu überwinden, die zu wenig Mittel für das eigene Leben ermöglicht. Die soziale Nachhaltigkeitskrise liegt in der Überwindung einer Verarmung und Nichtbeachtung von Rechten, die Gesundheit, soziale Sicherung und eine angemessene Altersversorgung umfassen. Dies alles sind deshalb Faktoren der Nachhaltigkeit, weil sie über die Zukunft der nachfolgenden Generationen mitentscheiden, weil sie Lebensbedingungen einer Zukunft definieren. Die Ausbeutungsverhältnisse wandeln sich über die Zeitalter. Klassisch ist nach wie vor das Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital, indem Mehrwerte aus der Arbeit gezogen werden. Aber dieser Weg ist immer begleitet durch Angebot und Nachfrage. Gewinne sind auch durch Derivate, Leerverkäufe, betrügerische Wetten ohne Produktion, durch Vermietung und Verpachtung und unzählige Strategien der Finanzmärkte zu erzielen. Zudem haben sich Berufe entwickelt, die im Management, Verkauf und in den Medien hohe Einkommen erzielen, die in eine neue Form der Ungerechtigkeit über die Verteilungen von Gewinnen aus der Lohnarbeit und anderen Mehrwerten führen. Diese Mehrwerte sind unterschiedlich erzeugbar und so schwer zu überblicken. Die Unübersichtlichkeit der Vorgänge macht es für die Menschen schwer, diese überhaupt hinreichend zu erfassen.

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