Das Große Gesetz des Friedens

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04-03-21 08:42:00,

Mir stellt sich aktuell die Frage, wie wir das gescheiterte Demokratie-Modell reparieren oder revolutionieren, um wirklich zu einem besseren, gemeinsamen Leben zu gelangen. Vorwürfe oder Kritik an unserem aktuellen Gesellschaftsmodell sind legitim und aktuell besonders wichtig. Ebenso bedeutsam ist jedoch die Vision einer anderen Art des Zusammenlebens. So können wir mit der Kraft einer Vision von etwas Besserem die nächsten Schritte in die Zukunft gehen und diese somit zum Wohle Aller gestalten. Dafür braucht es meiner Ansicht nach die Offenheit, radikal — also an die Wurzel gehend — zu forschen, wie es auch in der einzigen deutschsprachigen Dissertation geschrieben steht, die sich ausschließlich und umfangreich dem Thema der irokesischen Demokratie widmet.

„Die auch unter Intellektuellen weit verbreitete Abwehr des Gedankens, demokratische Regierungsformen könnten einen anderen historischen und geographischen Ort als die europäische Antike haben, stellt eine Barriere dar, die überwunden werden muss (…)“ (Thomas Wagner, Irokesen und Demokratie).

In diesem Artikel soll es um die demokratischen Strukturen und Abläufe des nordamerikanischen Bündnisses der sechs Nationen, auch Haudenosaunee genannt, gehen, das circa 3 Jahrhunderte vor der Ankunft der Europäer auf Grundlage des Großen Gesetzes des Friedens gegründet wurde. Das alte Wissen um dieses Gesetz scheint von unschätzbaren Wert für ein gänzlich neues beziehungsweise sehr altes Demokratieverständnis und für eine echte freiheitlich-demokratische Grundordnung.

Als Columbus 1492 in San Salvador landete, befanden sich auf dem nordamerikanischen Kontinent zwischen 5 und 15 Millionen indigene Bewohner, die er fälschlicherweise Indianer nannte. Es existierten Nationen, die regionale, eigene Kulturen, Regeln und Normen entwickelt hatten wie auch praktizierten und in diplomatischen Beziehungen zueinander standen. Höchst erstaunlich für die ankommenden, hierarchie- und herrschaftsgewohnten Europäer, fanden diese zunächst wenig bis keine Hierarchien vor.

Es gab auch kein Militär und keinen aufgeplusterten Regierungsapparat, der die Menschen unterdrückt oder beherrscht hätte. Der Versuch, jemand anderen von der eigenen Religion oder dem eigenen Weltbild zu überzeugen, galt als starker Affront. Jede Person war natürlicherweise mit freiheitlichen Rechten und Souveränität über die eigene Lebensführung ausgestattet.

„Keine Gruppe, kein Individuum hat gegenüber irgendeiner anderen Vereinigung eine herrschaftliche Weisungsbefugnis. Das gilt für das Verhältnis von höher- zu niedrigstufigeren Integrationsebenen, z. B. zwischen Bundesrat und National- oder Stammesversammlungen, aber auch für das von Clan-Versammlung zu Ohwachira usw. Der ‚Graswurzelcharakter‘ der irokesischen Demokratie verbindet das Prinzip der Herrschaftslosigkeit mit der Institutionalisierung von Autoritätspositionen, ohne dass hiermit Weisungsbefugnisse gegen das Widerstreben der untergeordneten Ebenen durchgesetzt werden können“ (Thomas Wagner,

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