Corona-Profiteur – Wo liegt Amazons Grenze?

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05-03-21 12:01:00,

Corona-Profiteur
Jeff Bezos tritt als CEO ab, sein Konzern wächst weiter. Doch das Imperium zeigt erste Risse

Wo liegt Amazons Grenze?

Amazon geht es nicht um Gewinn, sondern um Marktbeherrschung

Foto: Alex Wong/Getty Images

In 50 Jahren, so eine These des israelischen Historikers Yuval Noah Harari, werden sich die Menschen an die Covid-19-Pandemie erinnern als den „Moment, an dem die digitale Revolution Wirklichkeit wurde“. Ob die Prognose aufgeht, wer weiß. Doch schon jetzt ist klar: Corona ist ein Transformationsbeschleuniger. Exemplarisch deutlich wird dies an dem Schub, den der Technologiekonzern Amazon durch die Pandemie bekommen hat. Während die Weltwirtschaft im vergangenen Jahr in die tiefste Rezession seit 1929 rutschte, schrieb der Onlinehändler aus Seattle 2020 das erfolgreichste Jahr seiner Geschichte. Amazon steigerte den Umsatz um 38 Prozent auf sagenhafte 386 Milliarden US-Dollar, was in etwa dem Bruttoninlandsprodukt von Israel oder Irland entspricht.

Wichtigster Markt für Amazon außerhalb von Nordamerika ist Deutschland, wo Amazon inzwischen 14 Versandlager („Fulfillment Center“) betreibt. Hier knackte das Unternehmen 2020 erstmals die 50-Prozent-Marke beim Anteil am Onlinehandel und steigerte seinen Umsatz um fast ein Drittel auf 25,9 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Nummer zwei im deutschen E-Commerce – der Hamburger Versandhändler Otto – konnte im vergangenen Jahr im Inland nur 6,9 Milliarden Euro umsetzen.

Der Abstand zur Konkurrenz wird immer größer. Amazon habe es geschafft, sich so „nachhaltig und umfassend“ zu verankern, „dass der Weg zum Kunden für andere Anbieter regelrecht abgeschnitten wird“, bilanziert das auf den Einzelhandel spezialisierte Marktforschungsunternehmen IFH Köln. Wie hat Amazon das geschafft?

Traum vom „everything store“

1994 in Seattle, USA, als „online bookstore“ eröffnet, hat sich Amazon in einem Vierteljahrhundert zu dem von Gründer Jeff Bezos erträumten „everything store“ entwickelt. Mit wachsendem Erfolg weitete Amazon seine Produktpalette aus: Zunächst wurden CDs und DVDs ins Programm aufgenommen, dann Kinderspielzeug und Elektronik. Bald schon gingen die Ambitionen weit über den Versandhandel hinaus.

Wie frühzeitig Amazon neue Geschäftsfelder erschließt, zeigt die Entwicklung des Cloud-Dienstes AWS (Amazon Web Services), der Speicherplatz im Internet bereitstellt. 2002 gegründet, ist AWS inzwischen nicht nur der weltweit führende Cloud-Computing-Anbieter, zu dessen Kunden neben Unternehmen wie Netflix, Disney, Dropbox und General Electric auch die NASA, die CIA oder das Pentagon gehören. AWS ist auch Amazons Cash-Cow und für den größten Teil des Konzerngewinns verantwortlich. Ja, mehr noch: Die Gewinne aus dem Cloud-Business erlauben es dem Konzern erst,

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