Das Urbedürfnis

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05-03-21 12:11:00,

Ich will geliebt werden — ich behaupte, dieses Bedürfnis hat jeder Mensch. Eigentlich ist es ein zentrales menschliches Bedürfnis, das ursprünglich lautet: Ich will von meiner Mama geliebt werden. Die Beziehung zur eigenen Mutter ist die erste Liebesbeziehung eines jeden Kindes. Ein Kind ist von Beginn seines Lebens an, also bereits vorgeburtlich voller Liebe für seine Mutter. Es ist auf den körperlich-emotionalen Kontakt mit ihr ausgerichtet. Für das Kind gibt es nichts Wichtigeres als seine Mutter. Das ist nicht verwunderlich, wächst doch jeder Mensch anfangs im Bauch seiner Mutter heran und ist auf Gedeih und Verderben auf sie angewiesen und ist von ihr existenziell. Jeder Mensch verfügt daher — und muss das auch — von Anfang an über eine enorme Liebesfähigkeit, die auf seine Mutter ausgerichtet ist, und hat einen ebenso großen Wunsch danach, von seiner Mutter geliebt zu werden.

Daran ist nichts verkehrt. Das gehört zu den Grundbedingungen unseres Menschseins dazu. Wir Menschen vermehren uns sexuell, die Kinder wachsen im Bauch ihrer Mutter heran. Daher gehört die Liebe zur eigenen Mutter und das Verlangen nach ihrer Liebe zur Conditio humana. So wie es das Wesen von Vögeln ist, dass sie Flügel haben, um damit fliegen zu können, ist es das Wesen von uns Menschen, dass wir lieben können und geliebt werden wollen. Das sind quasi unsere Flügel.

Liebe und Angst sind innerhalb der Psyche gleichsam Antagonisten. Wo Angst herrscht, ist für die Liebe wenig Raum. Angst aktiviert das Stresssystem in einem menschlichen Organismus. Wo Angst ist, entsteht auch Wut, Aggression und zwanghaftes Denken und Handeln. Diese Gefühle und Lebenshaltungen sind die Saat der Gewalt.

Liebe ist das Gegengift zu Angst. Liebe kann Angst neutralisieren. Wo Menschen lieben, können sie auch mit ihren Ängsten gut und angemessen umgehen.

Auch zwischenmenschliches Vertrauen ist ohne Liebe nicht zu gewinnen.

Was also, wenn seitens der eigenen Mutter das Liebesbedürfnis eines Kindes nicht adäquat beantwortet wird? Wenn einen die eigene Mutter gar nicht haben will, einen ablehnt und zurückweist? Wenn sie völlig gleichgültig einem gegenüber ist? Wenn sie ihr Kind sogar bekämpft und körperlich wie emotional quält? Wenn sie aufgrund ihrer eigenen Lebensgeschichte gar nicht fähig ist, ihr Kind aus vollem Herzen und mit ihrem ganzen Körper zu lieben? Wenn sie selbst unter einem Mangel an Mutterliebe leidet, weil sie von ihrer Mutter ihre Liebesbedürfnisse nicht gestillt bekam?

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